Sozialarbeiter übernehmen Betreuung von Asylbewerbern
Antrag des Schweier Ortsgeistlichen Johannes Rieper hatte Erfolg
Rodenkirchen. "Ich bin wunschlos glücklich". Mit diesen Worten kommentierte Pastor Johannes Rieper aus Schwei die Beratungen über seinen Antrag im Ausschuß für Jugend, Sport, Kultur und Soziales des Rates der Gemeinde Stadland, die im Dienste der Gemeinde stehenden beiden Sozialarbeiter sollten auch für die Betreuung von Asylbewerbern eingesetzt werden.

Der Schweier Ortsgeistliche, der als Vorsitzender des Gemeindejugendringes Stadland Mitglied in diesem Ausschuß ist, hatte sich gewünscht, daß ein Sozialpädagoge mindestens 50 Prozent seiner Arbeitszeit für diese Betreuung verwenden soll, am Ende kam aber weniger dabei heraus, allerdings auch mehr, als es sich Johannes Rieper wohl erwartet hatte: 14 Stunden in der Woche wird Sozialarbeiter Karl Heinz Schröer für die Betreuung von Asylbewerbern zur Verfügung stehen.
Zum zweiten Male befaßte sich der Fachausschuß am zurückliegenden Montag mit dieser Frage. Die Beratungen vor einigen Wochen waren ergebnislos abgebrochen worden, weil die wichtigsten Leute an der Sitzung damals nicht teilnahmen: die beiden Sozialarbeiter und auch die Fachleute aus der Gemeindeverwaltung. Diesmal waren sie allerdings dabei und hatten zwischenzeitlich auch ihre Schularbeiten gemacht.
So hatten sie Kontakte zur Universität Oldenburg aufgenommen, die sich als erfolgreich herausstellen sollten. Es gibt einen Studenten, der sich bereiterklärt hat, für  vier bis sechs Wochen im Bereich der Betreuung von Asylbewerbern tätig zu werden. Dieses Angebot will die Gemeinde annehmen. Solange die Jugendarbeit nicht wesentlich gestört wird, soll zudem Sozialarbeiter Karl-Heinz Schröer 14 Stunden in der Woche für die Betreuung der Asylbewerber tätig sein. Darin stimmten alle Parteien bei ihren Beratungen überein.
Auf die Frage des SPD-Ratsherrn Karl-Heinz Brüning, ob die Gemeindeverwaltung durch die beschlossene Verkürzung des Asylverfahrens an einen Rückgang der Asylbewerber erwarte, äußerte sich Gemeindedirektor Werner Schilo vorsichtig optimistisch: "Es könnte sein, daß der Strom zurückgeht".
Zu Beginn der Beratungen über diesen Tagesordnungspunkt hatte der Verwaltungschef mitgeteilt, daß derzeit 59 Asylbewerber, 60 Aussiedler und 106 andere Flüchtlinge in der Gemeinde Stadland leben. Mindestens drei Angestellte im Sozialamt seien jeden Tag in unterschiedlicher Intensivität mit diesem Personenkreis beschäftigt.

Kreiszeitung Wesermarsch, 23. Oktober 1991