Die Arbeitstasche hat er schon im Keller versteckt
Vorarbeiter Carl-Heinz-Harde in Ruhestand verabschiedet
Rodenkirchen. Seine Arbeitstasche, die er sich jeden Morgen um 6 Uhr schnappte, um zum Dienst zu gehen, hat er schon im Keller versteckt, verrät Ehefrau Gertrud schmunzelnd. Er selbst freut sich zwar auf seinen Ruhestand, doch "ich werde bestimmt etwas vermissen". 

Gestern vormittag verabschiedeten die Kolleginnen und Kollegen des Bauhofes der Gemeinde Stadland ihren Vorarbeiter Carl-Heinz Harde, der in den Vorruhestand geht. Neben vielen lobenden Worten auch von der Bauverwaltung gab es für ihn einen großen Präsentkorb und für seine Ehefrau einen Blumenstrauß.
17 Jahre lang war der Rodenkircher im Bauhof tätig. Ein Fahrzeug, eine Karre und einige Schaufeln, das war damals die gesamte Ausstattung. "Erst später, als ein Unimog und ein Bagger sowie weiteres technisches Gerät hinzukamen, konnte man von einem wirklichen Bauhof reden," hob Carl-Heinz Harde hervor, der nach der Schulentlassung zunächst in der Landwirtschaft, dann einige Jahre als Zinkzieher beim Metallwerk und als Ma schinist im Straßenbau tätig war. 1974 trat er als Klärwärter in den Dienst der Gemeinde und kam anschließend zum Bauhof, dem er seit über zehn Jahren als Vorarbeiter vorstand.
Zu der Abschiedsfeier hatten sich seine Kolleginnen und Kollegen einige Überraschungen ausgedacht. So war sein Dienstfahrzeug, mit dem er eine letzte Runde über den Marktplatz drehen konnte, hübsch geschmückt. Bei einem anschließenden Frühstück erhielt er einen Präsentkorb und viel lobende Worte von seinen Mitarbeitern, die Ehefrau Gertrud zudem einen Blumenstrauß überreichten.
Die im Bauhof tätigen ABM-Kräfte hatten zur Verabschiedung ebenfalls ein Geschenk mitgebracht und überraschten zudem mit einem Gedicht über den "Rentner Carl-Heinz Harde".
Der Vater von drei Töchtern und Opa eines Enkelkindes bedankte sich recht herzlich für die "rührende Verabschiedung". Zwar habe es im Bauhof manchmal auch krumme Worte gegeben, doch am nächsten Tag sei wieder alles vergessen gewesen. Insgesamt habe die Tätigkeit sehr viel Spaß gemacht, sagte er und versprach, als künftiger Rentner auf keinen Fall nur noch mit einem Hund spazierenzugehen. Er möchte noch Taxi fahren und habe auch sonst noch jede Menge zu erledigen, sagte Carl-Heinz Harde.
Bauingenieur Gerd Lüers wünschte Carl-Heinz Harde, daß der neue Lebensabschnitt noch viel Spaß und Lebensfreude bringe. "Ich bin sicher, daß Carl-Heinz Harde auch im Ruhestand vollbeschäftigt sein wird," sagte Gerd Lüers. Bautechniker Heinz Kröger hob hervor, er habe sich
bestimmt 3000 mal mit Carl-Heinz Harde getroffen, um die Arbeit für den Tag zu besprechen. Bewundernswert sei, daß Carl-Heinz Harde nie Nein gesagt habe, auch wenn er Arbeiten zu erledigen hatte, die nicht in seine geregelte Arbeitszeit fielen.  ums

Kreiszeitung Wesermarsch, 23. November 1991