| Rodenkirchen/Dangast.
Eine neue Ausstellung des Stadlander Ehrenbürgers Franz Radiziwill
ist jetzt in seinem Haus in Dangast zu sehen, doch niemand weiß derzeit,
wie lange die Werke dieses weltbekannten Malers dort noch gezeigt werden
können, denn der Franz-Radziwill-Gesellschaft steht das Wasser bis
zum Halse.
Grund
sind einerseits die Personalkosten der drei Mitarbeiter, andererseits aber
auch die ständig steigenden Versicherungskosten.
Der
Wert der Gemälde von Franz Radziwill, der in Strohausen geboren wurde,
wird mittlerweile mit fünf- bis sechsstelligen Summen beziffert,
dessen
Versicherungssummen die Finanzkraft der Franz-Radziwill-Gesellschaft bei
weitem übersteigen. Ohne öffentliche Bürgschaften sei die
Institution nicht mehr zu finanzieren, stellte dazu Dr. Irmhild Heckmann
von Wehren, eine wissenschaftliche Mitarbeiterin der
Radziwill-Gesellschaft
fest.
Dr.
Ummo Francksen, der 1. Vorsitzende der Franz-Radziwill-Gesellschaft, konnte
sich bisher lediglich auf mündliche Zusagen seitens der Stadt Varel
und des Landkreises Friesland auf eine Übernahme der Gesellschaft
stützen. Doch im Kompetenzstreit über die Größenordnung
des finanziellen Engagements zwischen Varel und Friesland könnte die
Gesellschaft leer ausgehen, wird befürchtet. Erschwerend kommt der
Personalwechsel an der Spitze des Landkreises hinzu, denn der bisherige
Arntsinhaber wird neuer
Regierungspräsident
und der Nordenhamer Stadtdirektor Dr. Lothar Knippert sein Nachfolger:
"Der Nachfolger Dr. Bodes ist in die Problematik noch nicht eingeführt,
und Gespräche auf Verwaltungsebene mit Politikern können so schnell
nicht umgesetzt werden," sagt Monika Ahlers, eine Angestellte der
Radziwill-Gesellschaft.
Neu
zu sehen ist im Franz-Radziwill-Haus in Dangast die Ausstellung "Franz
Radziwill - Der Maler", in die Hans Heinrich Lappat, Kulturdezernent des
Landkreises
Friesland und Dr. Knut Sommer, wissenschaftlicher Mitarbeiter, einführten.
Gezeigt werden Bilder aus der gesamten 60jährigen Schaffenszeit des
1983 verstorbenen Künstlers.
In
der ehemaligen Tenne des 1923 erworbenen Fischerhauses, die er, mit Sichtbalken
und altem Mauerwerk versehen, zum Atelier ausgebaut hatte und der Küche,
über dessen selbstverlegten Fußboden der Besucher gehen muß,
hängen Bilder, die unmittelbar mit dem Leben des Künstlers zu
tun haben. Sie stammen teilweise noch aus seiner expressionistischen Schaffenszeit
und sind stark geprägt von den Worpsweder Künstlern, der Berliner
Gruppe "Die Brücke" und dem von ihm gegründeten"Grüner
Regenbogen",
zu dem auch Jan Oeltjen gehörte. Im Alkoven hängt ein kaum gezeigtes
Bild mit dem Titel "Wir drei" aus dem Jahre 1971, das seine zweite Frau
und Tochter Constanze zeigt.
Faszinierend
für den Besucher des Radziwill-Hauses ist gerade in diesem unteren
Geschoß die Begegnung mit dem Lebensraum des Menschens Radziwill,
seinen selbstgebauten und angemalten Möbeln, den scheinbar liegengelassenen
Kleinigkeiten des täglichen Bedarfs. Das später vom Künstler
angebaute große Atelier zeigt seine Spätwerke, Landschaften
und Stilleben. Neu und davor noch nie ausgestellt sind Kreidezeichnungen
in kräftigen Farben aus den Jahre 1972 und 1973, aus der Zeit also,
in der er wegen seines Augenleidens beschlossen hatte, keine Ölbilder
mehr zu malen. Lyrisch, und als "ein Radziwill" beinahe nicht zu erkennen,
ist auch sein Ölbild aus den fünfziger Jahren mit dem Titel "Das
verhaltene Land der Provence". Bilder der Seefahrt, je nach Schaffenszeit
mit verschiedenen Schwerpunkten versehen, gehören gleichermaßen
zur jetzigen Ausstellung.
Heute
wird der Maler und Autodidakt Franz Radziwill in die Reihe international
bekannter Maler, eingereiht. Seine Bilder erzielen seit einigen Jahren
Preise in fünf- und sechsstelliger Höhe. |