Beim Gesangverein Harmonie wurde im Winter zweimal in der Woche geprobt
Große Chorfeste veranstaltet - Der 1878 gegründete Verein bestand bis zum Februar 1964
Rodenkirchen. Der Männergesangverein Harmonie wurde am 1. November 1878 von Johann Neuhaus, Rodenkirchen, und Hermann von Seggern, Strohausen, gegründet. Dieses Gründungsjahr fiel in die "gute alte Zeit", das Vereinswesen erreichte in den folgenden Jahren seinen Höhepunkt.

Der erste Vorstand setzte sich aus dem Liedervater Hermann Tebbe, dem Kassierer Bernhard Koopmann, dem Schriftführer E. Meinardus und dem Dirigenten Bakenhus zusammen. Gesungen wurde in den Gaststätten Voigt in Strohausen und Menke in Rodenkirchen.
Mit dem Singen nahm man es sehr ernst, was in den zwei Singabenden wöchentlich während des Winters zum Ausdruck kommt. Außerdem traf man sich im Sommer einmal in der Woche. 
Die Entwicklung des Vereins vollzog sich zunächst gar nicht harmonisch, denn schon bald schienen es einige Sänger satt zu haben, nur unter Männern zu singen. Es waren ernsthafte Bestrebungen im Gange, den Verein in einen "Gemischten Chor" umzuwandeln. Doch damals behaupteten sich einige Männer, es wurde nichts aus den Plänen.
Im Jahre 1886 waren alle Kinderkrankheiten überwunden, und als äußeres Zeichen des Vereins wurde eine Vereinsfahne angeschafft. Damals drängten sich noch alle Mitglieder, auf großen Sängerfesten die Fahne ihres Vereins tragen zu dürfen. In jenem Jahr war in den Vorstand neu aufgenommen worden der Kassierer H. Müller und der Schriftführer G. de Boer, außerdem gehörten dem Verein elf Sangesbrüder an.
Im Januar 1887 verzog Chorleiter Bakenhus. In Anerkennung seiner Verdienste um den Verein seit seiner Gründung wurde er zum Ehrenmitglied ernannt. Im selben Jahr legte H. Tebbe sein Amt nieder, er wanderte nach Amerika aus. Seine Stelle nahm nun H. Müller als Liedervater ein.
Ein erstes unvergessenes Fest wurde das 25jährige Jubiläum. Das Stiftungsfest wurde als Sängerfest aufgezogen, an dem sich 15 auswärtige Gesangvereine beteiligten. Den Festzug führten der damalige Gemeindevorsteher Hitzen, Liedervater Müller und der neue Dirigent Hohenböken an. Schon im Jahre 1909 wurde Rodenkirchen wieder Austragungsort eines Sängerfestes, woraus zu schließen ist, daß das Singen damals in Rodenkirchen in hoher Blüte gestanden haben muß.
Am 10. Juni 1928 feierte der Verein sein 50jähriges Jubiläum. Wochenlang vorher wurden die Vorbereitungen getroffen. Es war das erste Mal nach dem
Kriege, daß die Sänger wieder ein Fest in ganz großem Rahmen feierten. Mehr als tausend Gäste waren erschienen.
Unter Mitwirkung von 17 Gesangvereinen erlebte Rodenkirchen sein glanzvollstes Fest. Im Mittelpunkt stand eine heimatliche Kundgebung am
Friesendenkmal in Hartwarden, auf der Dr. med. Richard Heye die Festansprache in plattdeutscher Sprache hielt. Danach bewegte sich der Festumzug zurück durch den Ort zum Marktplatz. Zwei Massenchöre mit Orchesterbegleitung unter Stabführung des bekannten Chormeisters Harmjanz bildeten den Auftakt zum Festkonzert. Liedervater Gottfried Schau und Chorleiter Fritz zu Klampen, die beide für das Fest verantwortlich zeichneten, konnten am Schluß mehr als zufrieden sein. Rodenkirchen hat
so etwas seitdem nicht wieder gesehen und gehört.
Im Jahre 1929 übernahm Heinrich Logemann die Leitung des Vereins. Er war ein sehr strenger Liedervater und duldete keine Unregelmäßigkeiten seiner
Sangesbrüder. Bis 1952 führte er den Verein über alle Klippen hinweg und durch alle Widerwärtigkeiten hindurch. Die Ernennung zum Ehrenvorsitzenden verbindet seinen Namen auf alle Zeiten mit der "Harmonie". Ab 1952 lag das Geschick des Vereins in den Händen des Liedervaters Anton Lameyer.
Bis 1947 lag der Verein nach dem Kriege brach, erst dann erteilte die Militärregierung die Erlaubnis, daß wieder gesungen werden durfte. Oberschullehrer Karl Hüber, der als Flüchtling aus Schneidemühl nach Rodenkirchen gekommen war, übernahm damals das Amt des Dirigenten und leistete in verhältnismäßig kurzer Zeit Beachtliches. 1951 trat an seine Stelle Hans Kriegel. Er war ein großer Könner, und der Männergesangverein leistete unter ihm Erstaunliches. Zu seiner Zeit sangen wöchentlich 22 Sänger. Im Jahre 1955 übernahm Mittelschullehrer Werner Kruck die Chorleitung; auch er war ein großer Könner, der außerdem noch den Gemischten Chor Rodenkirchen und auch den Frauenchor Liederkranz Brake dirigierte.
Doch so langsam nahte das Ende des Männergesangvereins, die Männer hatten anderes zu tun. Die Beteiligung an den Singabenden wurde immer geringer. Während einer "dringenden Besprechung", so stand es auf der Einladung an die Mitglieder, wurde am 19. Februar 1964 beschlossen, den Gesangverein aufzulösen.

Kreiszeitung Wesermarsch, 28. September 1991