| Rodenkirchen.
Der Männergesangverein Harmonie wurde am 1. November 1878 von Johann
Neuhaus, Rodenkirchen, und Hermann von Seggern, Strohausen, gegründet.
Dieses Gründungsjahr fiel in die "gute alte Zeit", das Vereinswesen
erreichte in den folgenden Jahren seinen Höhepunkt.
Der
erste Vorstand setzte sich aus dem Liedervater Hermann Tebbe, dem Kassierer
Bernhard Koopmann, dem Schriftführer E. Meinardus und dem Dirigenten
Bakenhus zusammen. Gesungen wurde in den Gaststätten Voigt in Strohausen
und Menke in Rodenkirchen.
Mit
dem Singen nahm man es sehr ernst, was in den zwei Singabenden wöchentlich
während des Winters zum Ausdruck kommt. Außerdem traf man sich
im Sommer einmal in der Woche.
Die
Entwicklung des Vereins vollzog sich zunächst gar nicht harmonisch,
denn schon bald schienen es einige Sänger satt zu haben, nur unter
Männern zu singen. Es waren ernsthafte Bestrebungen im Gange, den
Verein in einen "Gemischten Chor" umzuwandeln. Doch damals behaupteten
sich einige Männer, es wurde nichts aus den Plänen.
Im
Jahre 1886 waren alle Kinderkrankheiten überwunden, und als äußeres
Zeichen des Vereins wurde eine Vereinsfahne angeschafft. Damals drängten
sich noch alle Mitglieder, auf großen Sängerfesten die Fahne
ihres Vereins tragen zu dürfen. In jenem Jahr war in den Vorstand
neu aufgenommen worden der Kassierer H. Müller und der Schriftführer
G. de Boer, außerdem gehörten dem Verein elf Sangesbrüder
an.
Im
Januar 1887 verzog Chorleiter Bakenhus. In Anerkennung seiner Verdienste
um den Verein seit seiner Gründung wurde er zum Ehrenmitglied ernannt.
Im selben Jahr legte H. Tebbe sein Amt nieder, er wanderte nach Amerika
aus. Seine Stelle nahm nun H. Müller als Liedervater ein.
Ein
erstes unvergessenes Fest wurde das 25jährige Jubiläum. Das Stiftungsfest
wurde als Sängerfest aufgezogen, an dem sich 15 auswärtige Gesangvereine
beteiligten. Den Festzug führten der damalige Gemeindevorsteher Hitzen,
Liedervater Müller und der neue Dirigent Hohenböken an. Schon
im Jahre 1909 wurde Rodenkirchen wieder Austragungsort eines Sängerfestes,
woraus zu schließen ist, daß das Singen damals in Rodenkirchen
in hoher Blüte gestanden haben muß.
Am
10. Juni 1928 feierte der Verein sein 50jähriges Jubiläum. Wochenlang
vorher wurden die Vorbereitungen getroffen. Es war das erste Mal nach dem
Kriege,
daß die Sänger wieder ein Fest in ganz großem Rahmen feierten.
Mehr als tausend Gäste waren erschienen.
Unter
Mitwirkung von 17 Gesangvereinen erlebte Rodenkirchen sein glanzvollstes
Fest. Im Mittelpunkt stand eine heimatliche Kundgebung am
Friesendenkmal
in Hartwarden, auf der Dr. med. Richard Heye die Festansprache in plattdeutscher
Sprache hielt. Danach bewegte sich der Festumzug zurück durch den
Ort zum Marktplatz. Zwei Massenchöre mit Orchesterbegleitung unter
Stabführung des bekannten Chormeisters Harmjanz bildeten den Auftakt
zum Festkonzert. Liedervater Gottfried Schau und Chorleiter Fritz zu Klampen,
die beide für das Fest verantwortlich zeichneten, konnten am Schluß
mehr als zufrieden sein. Rodenkirchen hat
so
etwas seitdem nicht wieder gesehen und gehört.
Im
Jahre 1929 übernahm Heinrich Logemann die Leitung des Vereins. Er
war ein sehr strenger Liedervater und duldete keine Unregelmäßigkeiten
seiner
Sangesbrüder.
Bis 1952 führte er den Verein über alle Klippen hinweg und durch
alle Widerwärtigkeiten hindurch. Die Ernennung zum Ehrenvorsitzenden
verbindet seinen Namen auf alle Zeiten mit der "Harmonie". Ab 1952 lag
das Geschick des Vereins in den Händen des Liedervaters Anton Lameyer.
Bis
1947 lag der Verein nach dem Kriege brach, erst dann erteilte die Militärregierung
die Erlaubnis, daß wieder gesungen werden durfte. Oberschullehrer
Karl Hüber, der als Flüchtling aus Schneidemühl nach Rodenkirchen
gekommen war, übernahm damals das Amt des Dirigenten und leistete
in verhältnismäßig kurzer Zeit Beachtliches. 1951 trat
an seine Stelle Hans Kriegel. Er war ein großer Könner, und
der Männergesangverein leistete unter ihm Erstaunliches. Zu seiner
Zeit sangen wöchentlich 22 Sänger. Im Jahre 1955 übernahm
Mittelschullehrer Werner Kruck die Chorleitung; auch er war ein großer
Könner, der außerdem noch den Gemischten Chor Rodenkirchen und
auch den Frauenchor Liederkranz Brake dirigierte.
Doch
so langsam nahte das Ende des Männergesangvereins, die Männer
hatten anderes zu tun. Die Beteiligung an den Singabenden wurde immer geringer.
Während einer "dringenden Besprechung", so stand es auf der Einladung
an die Mitglieder, wurde am 19. Februar 1964 beschlossen, den Gesangverein
aufzulösen. |