Frische Milch an den Schulen ein Renner
Doch es gibt organisatorische Schwierigkeiten
Rodenkirchen/ Stadland. Die Frischmilch-Aktion der Gemeinde Stadland in den Schulen ist ein riesiger Erfolg. Seitdem mit finanzieller Unterstützung der Kommune die Milch kostenlos ausgegeben wird, sind die Zuckersäfte und auch die auf lange Haltbarkeit behandelten Milchprodukte bei den Pennälern out, in dagegen ist die Milch, die auch als Kakaogetränk angeboten wird. 

Doch die Aktion stößt auch an ihre Grenzen. Es gibt nicht genug Kühlmöglichkeiten, um die Milch zumindest einige Tage haltbar zu machen. Auch über die Botterbloom-Molkerei, die die Schulen beliefert, sind die Lehrer nicht gut zu sprechen, wie jetzt eine Diskussion im Schulausschuß ergab."Wir haben den Eindruck, daß wir für Botterbloom unliebsame Kunden sind," mit diesen Worten brachte der Leiter der Martin-Niemöller-Hauptschule, Hartmut Kleen, die Kritik auf den Punkt.
Doch abgesehen von den Problemen mit der Kühlung und der Liefermolkerei, die im übrigen nicht ihr eigenes Produkt, sondern das einer anderen Molkerei vertreibt, weil in Strückhausen keine Frischmilch hergestellt wird, ist die Aktion ein großer Erfolg. Früher wurden nach Angaben des stellvertretenden Rektors der Grundschule Rodenkirchen, Hartmut Schnars, etwa 40 Flaschen Milch verkauft, heute seien es durchschnittlich 144 Flaschen. Wenn die Molkerei in der Lage wäre, noch häufiger als zweimal in der Woche zu liefern, könnte sogar noch mehr Frischmilch abgesetzt werden. Hartmut Schnars betonte, daß die Lehrer über den mangelnden Service der Molkerei sehr verärgert seien. Um eine Verbesserung der Versorgung zu erreichen, sollte man deshalb eventuell einmal mit anderen Molkereien sprechen.
In der Orientierungsstufe Stadland-Jade im Rodenkircher Schulzentrum wird keine frische Milch kostenlos verteilt, ebenso nicht in der Martin-Niemöller-Hauptschule und in der Realschule. Diese Schulen befinden sich in der Trägerschaft des Kreises. Die Aktion der Gemeinde Stadland würde allerdings bedeuten, daß pro Tag durchschnittlich 144 Flaschen an die Schüler ausgegeben werden könnten, berichtete der Leiter der Orientierungsstufe, Wolfgang Trautmann. "Wir würden das Angebot der Gemeinde gerne annehmen, doch wir sind dazu nicht in der Lage, weil uns die Kühlmöglichkeiten fehlen", sagte der Schulleiter, der allerdings durchaus Chancen sah, daß der Landkreis Wesermarsch als Schulträger die dafür erforderliche Investition tätigen würde, nachdem die Gemeinde signalisiert habe, daß aus dem jetzigen Versuch eine dauerhafte Einrichtung werde. 
Der Leiter der Martin-Niemöller-Hauptschule warf der Botterbloom-Molkerei
vor, äußerst nachlässig zu sein und begründete das mit einem Beispiel: Freitag nachmittag werde Milch angeliefert und irgendwo abgestellt, die zum nächsten Schultag am Montag dann bereits verdorben sei. Er habe den Eindruck, daß die Schulen unliebsame Kunden für Botterbloom seien. Bei einem täglichen Verbrauch von etwa 600 Flaschen im Schulzentruin Rodenkirchen müsse es bei einer solchen Molkerei möglich sein, jeden
Tag frische Milch anzuliefern. Dadurch würde auch das Problem der Kühlung und damit der Haltbarmachung der frischen Milch geringer werden.
Gerd Högl als Leiter der Realschule Rodenkirchen kommentierte diese Angelegenheit mit einem Satz: "Die Nachfrage ist größer als das Angebot, aber wir haben keine Kühlmöglichkeiten".
Der Lehrervertreter der Grundschule Schwei, Hans Meinen, betonte, er habe den Eindruck, daß Botterbloom diese Initiative nicht gerne mitmache, deshalb sollte sich die Gemeinde direkt an die Molkerei wenden, die die Frischmilch herstelle, und sie bitten, diese auch in Stadland zu verteilen, und zwar so, wie sie es im Landkreis Friesland bis hin nach Varel mache. 
Der CDU-Fraktionsvorsitzende Günter Busch meinte, es gebe sicherlich noch Möglichkeiten der Verbesserung der Versorgung. Entscheidend sei dabei natürlich auch für eine Molkerei, wieviel Milch abgesetzt werden könne. Die Vorsitzende des Kindergarten-Beirats in Rodenkirchen, Christiane Schierholz, trug vor, daß auch im Kindergarten Interesse bestehe, Frischmilch anzubieten. Deshalb sollten die Stadlander Kindergärten bei dieser Aktion berücksichtigt werden.

Kreiszeitung Wesermarsch, 18. September 1991