Aus Schrott fünf Fahrradchopper gebaut
Schüler der Rodenkircher Martin-Niemöller-Schule handelten nach dem Motto "Einfälle statt Abfälle"
Rodenkirchen. "Einfälle statt Abfälle," das war in der jetzt zu Ende gehenden Schulzeit die Devise einer Schüler-Arbeitsgemeinschaft an der martin-Niemöller-Hauptschule in Rodenkirchen. 

Aus dem Schrott von alten Fahrrädern bauten sie wunderschöne Fahrradchopper, mit denen sie natürlich im Straßenverkehr auffallen. Unter der Leitung ihres Lehrers Peter Raul wurden am Anfang des Schuljahres 1990/91 erst einmal alte Fahrräder gesammelt. Diese kamen von der Kreismülldeponie,  in deren Nähe der Lehrer wohnt. Dort sah er immer wieder die Fahrräder auf dem Schrott liegen, bedauerte dieses sehr, bis er die Idee hatte, aus diesem Schrott Fahrradehopper zu bauen. Diese Idee kam auch bei einigen Schülern an, die daraufhin zusammen mit Peter Raul eine Arbeitsgemeinschaft gründeten. Alles, was brauchbar war, wurde verwertet, wie zum Beispiel Räder, Rahmen, Naben, Bremsen, Tretlager, Lenker, Dynamos, Reflektoren und vieles andere mehr.
Danach begann die Arbeit in der Werkstatt. Als erstes mußte der Rahmen für die Fahrradchopper erstellt werden. Rohre wurden zersägt, verschraubt, mit Unterstützung der Eltern gelötet und anschließend lackiert. Dazu wurden Sattel genäht oder ausrangierte Stuhlschalen als solche verwendet.
Der Zusammenbau kostete viel Zeit, erinnert sich Peter Raul, denn oft war Improvisation gefragt. Aber mit viel Geduld, Einsatz und den Fachkenntnissen ihres Lehrers Peter Raul lösten die Rodenkircher Schüler Jörg Langner, Oliver Stindt, Nikolas Grond, Gerrit Paulat und Kai Körber alle anstehenden Probleme.
Zum Schluß erstrahlten die weggeworfenen Fahrradteile in neuem Glanz und eine Probefahrt war angesagt. Allerdings gestaltete sich das Fahren zunächst als sehr gewöhnungsbedürftig. Doch schon nach kurzer Zeit konnte die Exklusivität dieser Räder dann aber doch im Straßenverkehr genossen werden.
"Damit überhole ich jeden", mit diesen Worten spricht Lehrer Peter Raul den größten Vorteil dieser Fahrräder an, denn sie verursachen etwa 20 bis 30 Prozent weniger Luftwiderstand als herkömmliche Drahtesel, weil man auf dem Fahrradchopper mehr waagerechter sitzt. Um vorwärts zu kommen, muß man sich auf diesen Fahrradchoppern also weniger abstrampeln.
Ab der nächsten Schulzeit werden diese Fahrräder wohl auch in der Kreisstadt Brake des öfteren zu sehen sein, denn Lehrer Peter Raul wechselt zu Beginn des neuen Schuljahres zur Realschule Brake und möchte  dann erneut eine Arbeitsgemeinschaft gründen, um diese Fahrradchopper zusammen mit interessierten Schülerinnen und Schülern herzustellen, denn alte Fahrräder werden auch weiterhin zur Kreismülldeponie nach Käseburg zum Schrott gebracht, obwohl eine andersartige Nutzung sehr viel sinnvoller wäre, wie die Schüler-Arbeitsgemeinschaft an der Martin-Niemöller-Hauptschule im Verlaufe des Schuljahres eindrucksvoll bewiesen hat.  ums

Kreiszeitung Wesermarsch, 02. Juli 1991