Autobahn-Gegner fordern intelligentere Lösungen
Attraktiveres Nahverkehrssystem angemahnt
Rodenkirchen. Eine intelligentere Verkehrspolitik haben die Kritiker während der Podiumsdiskussion der Kreiszeitung Wesermarsch verlangt und die Küstenautobahn abgelehnt. Statt dessen wollen sie den Personen- und Güterverkehr mehr auf die Schiene verlagern.

Die Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, Gila Altmann (Grüne), erinnerte daran, dass die Bundesregierung zurzeit einen neuen Kriterienkatalog für die Bewertung von neuen Straßenbaumaßnahmen erarbeite. Umweltbelange würden dabei eine zunehmend bedeutendere Rolle eingeräumt, denn die Bundesregierung wolle allein im Verkehrsbereich bis zum Jahre 2005 20 Millionen Tonnen Kohlendioxid einsparen. Dies werde zwangsläufig eine Verlagerung des Güterverkehrs von der Straße auf die Schiene bedeuten.
Dafür sprach sich auch der Landesvorsitzende des Verkehrsclubs Deutschland, Michael Frömming aus. Sowohl aus ökologischer als auch aus ökonomischer Sicht sei es nicht gerechtfertigt, jedes Dorf mit einer Autobahn versorgen zu wollen. Sinnvoller sei es, das Geld umzuleiten für den Schienenverkehr, der gerade in Niedersachsen stark vernachlässigt worden sei. "Wir sind guten Mutes, dass die Küstenautobahn nicht kommt", wagte Michael Frömming eine Prognose.
In der Diskussionsrunde sagte das Grünen-Kreistagsmitglied Jürgen Janssen, seine Partei sei die einzige gewesen, die die Wählerinnen und Wähler immer die Wahrheit gesagt habe. Denn schon bei der Diskussion über den Wesertunnel hätten die Grünen immer wieder hervorgehoben, der Wesertunnel mache nur Sinn, wenn auch die Küstenautobahn gebaut werde. "Wir werden nie ein attraktives Nahverkehrssystem bekommen, wenn das Geld in den Autobahnbau gesteckt wird", sagte er.
Dierk Dettmers betonte, die Landwirtschaft habe immer darauf hingewiesen, dass eine zukunftsorientierte Verkehrspolitik notwendig sei. Das Gegenteil sei jetzt der Fall. Die Planfeststellungsverfahren von vier Jahren seien mittlerweile Makulatur. Kein Mitleid zeigte der Rodenkircher mit den Einwohnern aus der Gemeinde Jade, die sich bereits jetzt über den zunehmenden Verkehr belästigt fühlen. "Man hat damals in Jade nicht zuhören wollen", erinnerte sich Dierk Dettmers.
Hans-Otto Meyer-Ott von den Grünen forderte die Landräte Udo Zempel und Martin Döscher auf, für einen stromübergreifenden öffentlichen Personennahverkehr zu sorgen. Elke Mathiszig betrachtete den Bau der Küstenautobahn als "altes, abgefahrenes Konzept". Anstatt solche Straßen zu fordern, müsse es ganz andere Konzepte des Güter- und Personentransports geben. Elke Kuik-Janssen meinte, es gebe intelligentere Lösungen, um Wirtschaftswachstum zu produzieren. Dies geschehe zum Beispiel im Ausland. Autobahnen seien dafür nicht Voraussetzung. Die Rodenkircherin warnte die Kommunen zudem davor, auf die Küstenautobahn zu setzen, denn das würde bedeuten, dass die finanziellen Mittel für Umgehungsstraßen nicht freigegeben werden würden. Der Verkehr werde dann noch mindestens bis 2015 durch die Ortschaften brummen.  ums

Kreiszeitung Wesermarsch, 21. Februar 2001