Kleinensiel.
Auf der Postkarte ist zu lesen: "Stellen Sie sich vor: Heute Nacht hätte
es im Atomkraftwerk einen Störfall gegeben. Dort, wo diese Karte liegt,
könnte rundherum alles verstrahlt sein!"
Aus
Anlass des Tschernobyltages organisierte der Grünen-Kreisverband am
Donnerstag eine kleine Kundgebung vor dem Tor des Kernkraftwerkes Unterweser
statt.
Im
Atomkraftwerk Tschernobyl ereignete sich am 26. April 1986 der bisher weltweit
schwerste Reaktorunfall. Bei dem Unfall wurden mehrere Tonnen hochradioaktives
Material freigesetzt, was zu einer weiträumigen Verseuchung des Bodens,
der Pflanzen, Menschen und Tiere sowie der Gewässer führte. Auch
das Grundwasser wird langfristig mit radioaktiven Stoffen belastet sein.
Als Folge der Reaktorexplosion erkranken bis heute Menschen in der Ukraine
und Weißrussland an Leukämie und anderen durch Verstrahlung
verursachte Krebsleiden.
Folgen werden
verniedlicht
Sprecherin
Elke Kuik-Janssen betonte, die Folgen der Katastrophe würden heute
noch vielfach verniedlicht. Hinter dem Unfall verberge sich viel menschliches
Leid. Aus diesem Grunde sei der Vorwurf, dass Argumente gegen die Kernenergie
mit Gefühl vorgetragen würden, unverantwortlich, denn Verstand
ohne Gefühl sei menschenfeindlich und produziere Technologien, die
menschenfeindlich seien. Die Sorge gelte den Bewohnern der Region und den
nächsten Generationen. Sie gelte allen Menschen, machte Elke Kuik-Janssen
klar und fuhr fort: "Wem ist denn schon bekannt, dass zum Beispiel die
Grenzwerte zur Strahlung aus dem geplanten Zwischenlager erst ab dem Außenzaun
des Geländes gelten, also nicht für die Beschäftigten auf
dem Gelände? Das ist menschenverachtend und zynisch."
Cornelia
Iber-Rebentisch von der Seefelder Gruppe "Kinder von Tschernobyl" berichtete
den Teilnehmern von der jetzigen Situation in Weißrussland. Ina Korter,
Mitglied im Landesvorstand von Bündnis 90/Die Grünen, verwies
in ihrer Ansprache auf die Häufung von Störfällen im Kernkraftwerk
Unterweser in den vergangenen Jahren.
Zur
Mahnung ließen die Teilnehmer anschließend Luftballon aufsteigen,
an denen die Postkarten befestigt waren. Wer die Karte zurück schickt,
nimmt an einer Verlosung teil. |