| Rodenkirchen.
"Am 1. April 1955 hat mich meine Mutter in die Bank geschickt, heute holt
sie mich wieder ab." Bankleiter Gerold Bunjes freute sich riesig über
die Anwesenheit seiner inzwischen 90-jährigen Mutter und über
die vielen Gäste, die ihn an seinem letzten Arbeitstag in Albrechts
Hotel in den Ruhestand verabschiedeten.
46
Jahre lang war Gerold Bunjes in der Genossenschaftsbank tätig, zuletzt
als Vorstandsmitglied der Raiffeisen-Volksbank Varel-Nordenham. Nun kann
er, wie er sagte, "rundum zufrieden" seinen Ruhestand genießen, bedauerte
allerdings, dass er bei der Umstellung auf den Euro nicht mehr dabei sein
kann, "denn ich bin ein Euro-Fan", bekannte er.
Kunde im Mittelpunkt
Für
ihn habe immer der Kunde im Mittelpunkt gestanden, sagte er und verwies
auch darauf, viel Glück in seiner 46-jährigen Tätigkeit
gehabt zu haben. Er hoffe, das Schiff Bank ins richtige Fahrwasser gebracht
zu haben, so dass die beiden verbleibenen Vorstandsmitglieder Ralph Zollenkopf
und Kurt Tönjes sicher den Hafen erreichen könnten. Für
ihn habe zur Vorstandsarbeit Teamfähigkeit und Kompromissbereitschaft
gehört, "aber ein Gerold Bunjes sagt, was er denkt, auch wenn es fünf
Minuten vor seiner Verabschiedung ist", hob hervor und brachte damit auch
die eine oder andere härtere Diskussion in Erinnerung. Unter dem Stichwort
Teamfähigkeit verpackte Gerold Bunjes auch seinen Dank an die Mitarbeiten.
Alle hätten einen Blumenstrauß verdient, aber dazu sei er zu
geizig gewesen. Stellvertretend für alle erhielten deshalb ein Angestellter
und eine Angestellte einen Strauß.
Zweigstelle in
Donnerschwee
Der
Sprecher des Vorstandes der Raiffeisenbank Varel-Nordenham, Ralph Zollenkopf,
brachte die Lebensdaten von Gerold Bunjes in Erinnerung. Nach der mittleren
Reife begann Gerold Bunjes seine Lehre bei der Volksbank Oldenburg und
war danach in der Hauptstelle in verschiedenen Zentralabteilungen tätig.
Der Wehrdienst folgte, eine Sache, die der Volksbank gar nicht passte.
"Wir nehmen an, dass Sie nicht auf die Idee kommen, Ihren Dienst zu verlängern",
zitierte Ralph Zollenkopf aus einem Schreiben der Volksbank an den Kanonier
Gerold Bunjes. Das tat er nicht, sondern kehrte zurück und übernahm
die Leitung der kleinen Zweigstelle in Oldenburg-Donnerschwee. Schon damals
habe er sich einen Namen für seine "absolut ausgeprägte Kundenorientierung"
gemacht, stellte Ralph Zollenkopf fest.
In
Brake heimisch
1963
folgte die stellvertretende Leitung der Zweigstelle in Brake, wo er mit
seiner Frau Klara und seinen Söhnen Bernd und Frank aus privat Wurzeln
schlug. 1976 kam dann die Übernahme der Zweigstelle in Elsfleth, bei
der zum ersten Male unter Beweis gestellt habe, Verantwortung als Führungsperson
übernehmen zu können. 1986 wurde er dann Vorstandssprecher der
Raiffeisenbank Stadland, drei Jahre später auch kommissarischer Leiter
der in Schieflage geratenen Volksbank Nordenham und war zuletzt schließlich
Vorstandsmitglied der Raiffeisenbank Varel-Nordenham.
Rainer
Backenköhler aus dem Vorstand des Genossenschaftsverbandes betonte,
Gerold Bunjes könne mit dem anhaltend guten Gefühl, viel Gutes
für den Mitglieder und Kunden der Bank getan zu haben, in den Ruhestand
gehen. Er habe sich stets in geradliniger Weise um die Mitglieder und Kunden
gekümmert und dabei auch die Interessen der Bank berücksichtigt,
so dass beide Seiten zufrieden gewesen seien. Seine Aufgaben im Vorstand
habe er stets kritisch und konstruktiv wahrgenommen.
Harald
Lesch vom Vorstand der Arbeitsgemeinschaft des Genossenschaftsverbandes
Weser-Ems bezeichnete Gerold Bunjes als "absolut zuverlässigen Steuermann".
Ihm zeichne hohe Fachkompetenz in Verbindung mit gesundem Menschenverstand
aus. Seine stets einwandfreie Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen
verdeutliche seinen Charakter, sagte Bankvorstand Karl-Heinz Kahler. In
der Kreisarbeitsgemeinschaft der Banken habe er Vorbildliches geleistet.
Hilko
Schütte vom Betriebsrat bescheinigte Gerold Bunjes, sich stets Zeit
genommen zu haben für die Mitarbeiter. "Gerold Bunjes geht nicht,
wie viele, die nur Spuren, sondern wie wenige, die positive Eindrücke
hinterlassen haben", führte er aus.
Aufgrund
seines Wesens und seiner Psychologie sei Gerold Bunjes eine Führungsperson
gewesen, der man glaube und folgte, stellte Landrat Udo Zempel fest. Was
er sagte, sei zu jeder Zeit von Sachverstand und Kompetenz geprägt
gewesen. ums |