| Rodenkirchen.
Vor Beginn der heutigen Gemeinderatssitzung rüsten die Gegner des
geplanten Zwischenlagers noch einmal auf: Rodenkirchen steht erneut vor
einer großen Demonstration, die nach dem Willen der Veranstalter
die Protestkundgebung vom 1. Februar möglichst noch übertreffen
soll.
Auch
damals tagte der Gemeinderat und verhängte mit einer knappen Mehrheit
eine Veränderungssperre für das Gelände des Kernkraftwerkes
Unterweser in Kleinensiel – ein Beschluss, der inzwischen von der Bezirksregierung
Weser-Ems als rechtswidrig angesehen wird.
Am
heutigen Donnerstag geht es im Gemeinderat nunmehr um den Antrag der e.on-Kernkraft
GmbH auf Bau dieses Zwischenlagers, das für jeden Kernkraftwerksstandort
durch die Vereinbarung zwischen den Energieversorgungsunternehmen und der
Bundesregierung als notwendig erachtet wird. Diese Vereinbarung sieht vor,
dass die Entsorgung abgebrannter Brennelemente aus dem Betrieb der Kernkraftwerke
ab Mitte 2005 auf die direkte Endlagerung beschränkt wird. Transporte
zur Wiederaufarbeitung werden dann nicht mehr zulässig sein. Statt
dessen erfolgt eine Zwischenlagerung der abgebrannten Brennelemente vor
Ort. Die Energieversorgungsunternehmen verpflichteten sich daher in der
Vereinbarung, an den Standorten Zwischenlager zu errichten. Diese sollen
ihren Betrieb spätestens ab 1. Juli 2005 aufnehmen.
Entscheidung
offen
Wie
sich der Stadlander Gemeinderat heute entscheidet, wird bis zuletzt nicht
einschätzbar sein. Stimmt das Gremium gegen den Bauantrag, dann ist
so gut wie gewiss, dass die Aufsichtsbehörde für die Kommune
das so genannten Einvernehmen herstellt, aber Stadland bliebe dann immer
noch das Mittel der Klage. Befürwortet der Gemeinderat den Bauantrag,
dann verstößt sie gegen die am 1. Februar beschlossene Veränderungssperre
und damit gegen das seit 16. Februar geltende Ortsrecht. Dann wäre
Bürgermeister Boris Schierhold auch nach Auffassung der Bezirksregierung
Weser-Ems gezwungen, sofort Widerspruch gegen den Ratsbeschluss einzulegen.
Denn ein rechtsverbindlicher Einspruch gegen den Ratsbeschluss liegt noch
nicht vor.
Mindestens
elf von 22 Stimmen sind heute im Gemeinderat notwendig, um den Bauantrag
abzulehnen, denn bei Stimmengleichheit gilt ein Antrag als abgelehnt. Die
CDU-Fraktion hat acht Mitglieder, wovon sieben gegen den Bauantrag stimmen
könnten. Sollte der inzwischen als Unabhängiger im Gemeinderat
sitzende Lars Kanz dabei sein, wäre es die achte Stimme, denn das
ehemalige CDU-Ratsmitglied hat sich immer wieder dazu bekannt, für
die Kernenergie zu sein, aber ein solches Zwischenlager abzulehnen. Als
gesetzt für ein Nein gilt die Grünen-Ratsfrau Elisabeth Josch-Kunze.
Hinzu kommt Bürgermeister Boris Schierhold. Somit scheinen zehn Stimmen
gegen den Bauantrag sicher zu sein. Eine fehlt aber noch. Und die muss
aus den Reihen der SPD-Fraktion kommen. Wie sich deren Mitglieder allerdings
verhalten, ist völlig ungewiss.
Die
Aktion Z aus Stadland und Bremerhaven, der Ortslandvolkverein Rodenkirchen/Golzwarden/Esenshamm
und auch Greenpeace haben heute um 18 Uhr, also eine Stunde vor Beginn
der Gemeinderatssitzung, die erneut in der Markthalle stattfinden wird,
zu einer Demonstration gegen das geplante Zwischenlager aufgerufen. Hinrich
Brader als Vorsitzender der Landwirte hat inzwischen angekündigt,
Landwirte aus der gesamten Wesermarsch würden sich an einem Treckerkorso
durch Rodenkirchen beteiligen. Greenpeace reist unter anderem mit dem sechs
Tonnen schweren Nachbau eines Castoren-Behälters an. ums |