Erörterungstermine haben begonnen
Ab 14. Juni werden in Rodenkirchen die Einwände gegen das Zwischenlager für Brennelemente diskutiert
Rodenkirchen. Nachdem es vor einer Woche den ersten Erörterungstermin für ein Zwischenlager für abgebrannte Brennelemente in Brokdorf gegeben hat, werden seit dem gestrigen Mittwoch die Einwände am Standort Brunsbüttel behandelt. Ab 14. Juni sollen die Widersprüche gegen ein Zwischenlager für den Standort Unterweser erörtert werden.

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) als atomrechtliche Genehmigungsbehörde plant bis zum Oktober weitere 13 derartiger Verfahren an bundesweit elf Standorten. Bundesamts-Chef Wolfram König geht davon aus, dass die Zwischenlager ab 2005 zur Verfügung stehen. Die schleswig-holsteinische Landesregierung lehnt eigene Zwischenlager für jedes der drei Atomkraftwerke im Land ab. Energieminister Claus Möller (SPD) hatte ein gemeinsames Zwischenlager für Brokdorf und Brunsbüttel ins Gespräch gebracht.
Gegen das Vorhaben eines Interimslagers in Brunsbüttel hatten 1938 Personen Einwendungen erhoben, zum dortigen Standortzwischenlager 2311 Personen. Gegen das Zwischenlager in Brokdorf waren es Einwendungen von 1668 Personen.
Kurzfristige Aufbewahrung
In Interimslagern sollen ausgediente Brennelemente so lange aufbewahrt werden, bis die dezentralen Standort-Zwischenlager zur Verfügung stehen. Die dezentralen Standort-Zwischenlager sind geplant zur Überbrückung des Zeitraums, bis ein Endlager zur Verfügung steht. Dieser Weg der direkten Endlagerung soll die Anzahl der Transporte von abgebrannten Brennelementen in die Wiederaufarbeitungsanlagen Großbritanniens und Frankreichs ebenso wie die Transporte hochradioaktiver Abfälle in das zentrale Zwischenlager Gorleben minimieren.
Nach einem Erörterungstermin hat das Bundesamt für Strahlenschutz bereits das erste Interimslager in Neckarwestheim genehmigt. Dort dürfen maximal 24 Castor-Transport- und Lagerbehälter mit bestrahlten Brennelementen aus den beiden Kraftwerksblöcken aufbewahrt werden. Das BfS hat die sofortige Vollziehbarkeit der Genehmigung angeordnet und sie auf fünf Jahre bis zum 30. April 2006 befristet, da wegen des parallel laufenden Verfahrens zum Standortzwischenlager keine Notwendigkeit für längere Laufzeiten bestehe. Der Betreiber hatte eine Laufzeit von acht Jahren beantragt.
Weitere Termine
Unmittelbar bevor steht der Erörterungstermin für das Kernkraftwerk Grohnde. Dieser soll im Juni stattfinden. Etwa 9630 Personen hatten gegen das Standort-Zwischenlager Einwendungen erhoben, die als Einzeleinwendungen oder in Form von Unterschriftenlisten als Sammeleinwendungen eingebracht wurden. Im Gegensatz zu Stadland hat sich der Gemeinderat in Grohnde inzwischen für das Zwischenlager ausgesprochen.
Auch in Biblis soll noch im Juni verhandelt werden. Dort hatte es 4100 Einwendungen gegen das Interimslager und 5900 Widersprüche gegen das Standortzwischenlager gegeben. Am Standort Krümmel soll auch noch im Juni der Erörterungstermin stattfinden. Rund 6000 Einwendungen gegen ein Interimslager und 5700 Widersprüche gegen das geplante Zwischenlager waren dort abgegeben worden.
Fest terminiert ist bereits der Erörterungstermin für das Kernkraftwerk Unterweser in Kleinensiel. Dieser beginnt am 14. Juni und damit auf den Tag genau ein Jahr nach der Vereinbarung zwischen der Bundesregierung und den Energieversorgungsunternehmen zum Ausstieg aus der Kernenergie. In Kleinensiel ist kein Interimslager, sondern ausschließlich ein Zwischenlager geplant. Gegen dieses Projekt gingen bundesweit gesehen bisher die meisten Einwendungen ein: über 17 500.
Im September und Oktober sollen schließlich die Erörterungstermine für die Zwischenlager in Grafenrheinfeld und Isar stattfinden. An beiden Standorten sind noch bis zum 25. Juni Einwendungen möglich. Danach folgen Gundremmingen, wo die Widerspruchsfrist am 2. Juli endet, Philippsburg und Neckarwestheim.

Kreiszeitung Wesermarsch, 10. Mai 2001