| Fedderwardersiel.
Einen weiteren, aber endgültig letzten Versuch, will die Bürgerinitiative
Butjadingen (Bibu) noch starten, um die Politik an ihre Versprechungen
in Sachen Fedderwarder Priel zu erinnern. Diese werde nämlich ihrer
Meinung nach durch die jeweiligen Verwaltungen "düpiert", wie sich
Elmar Hüttenmeister während der jüngsten Zusammenkunft ausdrückte.
Links
und rechts von Butjadingen entstehen immer ehrgeizigere Pläne, um
die jeweilige wirtschaftliche Situation zu verbessern. Auf der einen Seite
in es das Land Bremen, das unter anderem durch die Vertiefung der Weser
seine Häfen konkurrenzfähig halten will, auf der anderen Seite
ist es Niedersachen, das Wilhelmshaven für den Jadeport favorisiert.
Mittendrin steckt Butjadingen und die Befürchtung, dadurch den Todesstoß
versetzt zu bekommen. Denn Butjadingen müsse die Konsequenzen ausbaden.
Rückblende
Für
eine Rückblende sorgte am Ende der Versammlung Reinhard Evers, als
er einen Ausschnitt aus einem Film zeigte, in dem vor 20 Jahren der damalige
Kurdirektor Theo Terwiel auf dem Burhaver Deich in der Nähe der Strandhalle
zu Wort kam. Stolz berichtete er, dass das Baden im Nordseebad sogar bei
Ebbe möglich sei, wofür ein immer gut mit Wasser gefüllter
Priel sorge. Die Zeiten sind sind längst vorbei. Als die Bibu-Mitglieder
am Freitag im Museum in Fedderwardersiel zusammen kamen, war Ebbe. Beim
Blick ins Hafenbecken konnte in der riesigen Schlickwüste nur noch
ein kleiner nasser Rinnsal entdeckt werden - ein deutliches Signal, wie
es um den Priel inzwischen aussieht.
Nachdem
der Niedersächsische Landtag schon vor längerer Zeit einstimmig
beschlossen hatte, "durch geeignete Maßnahmen sicherzustellen, die
durch ständige Weservertiefeungen eingetretene und zukünftig
entstehende Verschlickung der Strände und Hafeneinfahrten in Butjadingen
zu beseitigen, damit ein ungehinderter Badebetrieb und eine uneingeschränkte
Hafennutzung möglich bleiben", und der niedersächsische Ministerpräsident
Sigmar Gabriel am 24. Januar dieses Jahres gegenüber Landrat Udo Zempel
und Bürgermeister Rolf Blumenberg versprochen hatte, er werde eine
schriftliche Garantie für die Hafenzufahrt geben, da es "um die Verlässlichkeit
und Glaubwürdigkeit des Staates gehe", fand inzwischen auch ein Gespräch
mit dem Präsidenten des Senats der Freien Hansestadt Bremen, Henning
Scherf, statt.
Gespräch
in Bremen
Im
Beisein von Landrat Udo Zempel, Elmar Hüttenmeister und dem 1. Vorsitzenden
des Butjadinger Yachtclubs, Karl-Heinz König, habe Henning Scherf,
so führte der Vorsitzende der Bürgerinitiative, Gerhard Bruns,
aus, hervorgehoben, dass es einen Staatsvertrag geben müsse, in dem
alle Probleme zu regeln seien, damit der Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven
in Einvernehmen mit den betroffenen Regionen realisiert werden könne.
Bibu-Vorsitzender
Gerhard Bruns bezeichnete die Aussagen des Bremer Regierungschefs zwar
als "wichtigen Durchbruch" für die Butjadinger Angelegenheiten, versah
seine Feststellung aber mit Einschränkungen. Das tat auch Udo Zempel,
der darauf hinwies, dass vereinbart worden sei, das Gesprächsergebnis
in einem gegenseitigen Briefwechsel niederzulegen. Der Landrat hat dies
bereits in einem Schreiben an Henning Scherf getan, eine Bestätigung
aus Bremen ist aber noch nicht angekommen. Und so schlussfolgerte er: "Wenn
man mir zusagt, eine Antwort zu erhalten, ich aber keine bekomme, dann
stimmt da etwas nicht!"
Die
Schuldigen dieser derzeitigen Situation hatten die Versammlungsteilnehmer
schnell gefunden. "Wozu brauchen wir noch Politik, wenn die Behörden
das verbaseln, was Politik bereits erreicht hat?", fragte Elmar Hüttenmeister.
Ins Kreuzfeuer der Kritik geriet dabei das Niedersächsische Hafenamt
Brake, das im vergangenen Jahr im Fedderwardersieler Priel völlig
falsch gebaggert habe und inzwischen eine Datensammlung vornehme, für
das etwa ein Jahr benötigt werde. Notwendige Baggerarbeiten werde
es deshalb frühestens im Sommer 2002 geben, das sei unverantwortlich,
denn jeder verlorene Tag koste mehr Geld, schimpfte Elmar Hüttenmeister.
Klagen möglich
Und
deshalb wollen die Butjadinger jetzt Nägel mit Köpfen machen.
Um eine Antwort auf die Frage zu bekommen, welche Rolle die Gemeinde künftig
bei der Neustrukturierung der Küstenregion einnnehme, wie es Gerhard
Bruns formulierte, sollen Siegmar Gabriel und Henning Scherf am heutigen
Montag noch einmal angeschrieben werden. Wenn Hannover und Bremen stumm
bleiben oder die Antworten nicht ausreichend sein sollten, dann will die
Bürgerinitiative durch Klagen Fakten schaffen. ums |