Flyer und Broschüre klären 
über das Zwischenlager auf
Die Castoren werden in 16 Reihen 
zu je fünf Stück aufbewahrt
Kleinensiel. Ein Flyer und eine Broschüre informieren seit gestern über das geplante Zwischenlager für abgebrannte Brennelemente auf dem Kraftwerksgelände. Heinz-Wilhelm Bergmann, Leiter des Kommunikationszentrums im KKU, stellte die beiden Druckwerke jetzt vor.

Der Flyer ist nach Angaben von Heinz-Wilhelm Bergmann vor allem für diejenigen gedacht, die sich in aller Kürze mit dieser Problematik beschäftigen wollen. Die 30-seitige Broschüre dagegen informiert sehr viel eingehender über das Thema.
Besucher des Kommunikationszentrums können beide Exemplare ab sofort mit nach Hause nehmen. Auf Wunsch schickt das Kernkraftwerk Unterweser sie aber auch Interessierten zu. Ein Anruf genügt unter  0 47 32/80 25 01 oder unter  0 47 32/500.
Im Flyer und in der Broschüre wird darauf hingewiesen, dass in den nächsten Jahren an den Kernkraftwerken Brokdorf, Grafenrheinfeld, Grohnde, Isar 1 und 2 sowie Unterweser Zwischenlager für die Aufbewahrung von Kernbrennstoffen entstehen sollen. Damit komme die e.on Kernkraft GmbH der Forderung der Bundesregierung nach, an den Standorten eine Lösung für die Lagerung von abgebrannten Brennelementen bis zur Fertigstellung eines deutschen Endlagers zu schaffen.
Das für Kleinensiel geplante Zwischenlager nehme rund 0,9 Hektar des insgesamt 50 Hektar großen KKU-Geländes ein und sei von einem Zaun umgeben. Das Lagergebäude sei eine "Festung aus Beton". Die Außenwände bestünden aus rund 1,20 Meter Stahlbeton, die Deckenstärke sei auf 1,30 Meter ausgelegt. Es handle sich auch bei unwahrscheinlichen, aber nicht ganz auszuschließenden Ereignissen wie Erdbeben, Blitzschlag oder Flugzeugabsturz, um eine optimale Schutzhülle. Rund 750 Quadratmeter dieser Halle seien als effektive Lagerhalle vorgesehen. Die Anordnung der Behälter erfolge in 16 Reihen mit jeweils fünf Stellplätzen.
Castor V/19
Nach Angaben von e.on kommen zunächst ausschließlich Behälter des Typs Castor V/19 zum Einsatz. Dieser könne maximal 19 Brennelemente aufnehmen und werde mit einem Doppeldeckel verschlossen. Einschließlich der Schutzplatte wiege der Behälter 125 Tonnen, die Wände und der Boden seien 40 Zentimeter dick. Vor der Zulassung habe der Behälter extreme Härtetests durchlaufen und sei immer dicht geblieben.
Die Einrichtung und der Betrieb eines Zwischenlagers habe keine relevanten Auswirkungen auf Menschen, Tiere und Pflanzen in der Umgebung. Das hätten zahlreiche Studien und wissenschaftliche Untersuchungen ergeben. Eine Freisetzung radioaktiver Stoffe aus den Behältern finde nicht statt. Die von den Brennelementen ausgehende Strahlung werde bereits durch die Behälter selbst stark abgeschwächt und durch das dickwandige Lagergebäude nochmals minimiert. Für die Lagerung der Brennstäbe sei weder eine aufwendige Kühltechnik notwendig, noch seien komplizierte Überwachungssysteme erforderlich. Natürlicher Luftzug sorge wartungsfrei für die kontinuierliche Abfuhr der von den Behältern abgegebenen Restwärme.
Wie Heinz-Wilhelm Bergmann auf Nachfrage erklärte, seien die Behälter etwa 30 bis 60 Grad warm. Er gehe davon aus, dass die Entscheidung des Stadlander Gemeinderates, eine Bebauungsplan zu erstellen und eine Veränderungssperre zu erlassen, rechtswidrig sei und durch den Landkreis Wesermarsch sowie die Bezirksregierung Weser-Ems aufgehoben werde. Ohne Zwischenlager und Transporte werde die Kapazität im Abklingbecken des Kernkraftwerkes Unterweser im Jahre 2004 erschöpft sein. Dann müsse die Anlage ihren Betrieb einstellen.  ums

Heinz-Wilhelm Bergmann stellte gestern den Flyer und die Broschüre zum geplanten Zwischenlager vor.
Heinz-Wilhelm Bergmann stellte den Flyer und die Broschüre zum geplanten Zwischenlager vor.
Kreiszeitung Wesermarsch, 07. Februar 2001