| Rodenkirchen.
Der Rodenkircher Dierk Dettmers wunderte sich darüber, "wie viel kriminelle
Energie vor Ort zusammenkommt, um uns zu belügen". Der weitaus größte
Teil der Besucher einer Informationsveranstaltung des Ortslandvolks sprach
sich zum Teil energisch gegen das geplante Zwischenlager für abgebrannte
Brennelemente auf dem Gelände des Kernkraftwerkes aus.
Unter
dem Motto "Gorleben kommt nach Rodenkirchen" hatte Hinrich Brader, Vorsitzender
des Ortslandvolkvereins Rodenkirchen/Esenshamm/Golzwarden, den Landwirt
Hermann Bammel und den Physiker Udo Jentzsch, beide aus Gorleben, nach
Rodenkirchen eingeladen. Über 150 Besucher folgten den Vorträgen.
Ob
man Bauer sei oder eine Frittenbude aufmachen wolle, immer müsse man
einen Nachweis führen, wo man mit den Abfällen bleibe. Nur die
hochgefährliche Atomtechnologie habe das nicht nötig, kritisierte
Udo Jentzsch. Und die Wissenschaft sei noch längst nicht so weit,
dass sie sagen könne, ein Endlager zu bauen, das in den nächsten
1000 Jahren sicher sei. Vor diesem Hintergrund müsse dann auch das
für Unterweser geplante Zwischenlager für abgebrannte Brennelemente
gesehen werden, das für 40 Jahre betrieben werden soll.
1600 Castorbehälter
Fakt
sei ferner, so Udo Jentzsch weiter, dass es nach Ende der Atomenergieerzeugung
etwa 1600 Castorbehälter geben werde, für die sowohl der Salzstock
Gorleben noch das Lager Ahaus zu klein seien. Sie könnten dort also
nicht alle untergebracht werden. In dem Zusammenhang bemerkte der Physiker
zu Gorleben, dass Deutschland weltweit das einzige Land sei, das hochradioaktiven
Müll in einem Salztstock lagern wolle. Denn längst sei bekannt,
dass sich Salz auf Grund der thermischen Belastung, die von den Castoren
ausgehe, verändere und somit ungeeignet sei. Das Endlager Gorleben
sei eine rein politische Entscheidung gewesen, die Eignung aber wissenschaftlich
nie bewiesen worden.
Kein hinreichender
Schutz
Die
Castoren selbst, so der Physiker, böten keinen hinreichenden Strahlenschutz,
auch wenn immer wieder behauptet werde, sie seien sicher. Die Grenzwerte
der Kontamination seien zum Teil bis zum 2000fachen überschritten
worden. "Da, wo es sicher ist, hat man gemessen, da, wo etwas ist, hat
man es lieber nicht getan, denn man hat nichts feststellen wollen", sagte
Udo Jentzsch. Wenn nur ein Tausendstel des radioaktiven Inhalts eines Castorbehälters
freigesetzt werde, würde eine Fläche von zehn Quadratkilometern
so belastet sein wie die Sperrgebiete um den Tschernobyl-Reaktor.
Der
Landwirt Hermann Bammel betonte, es gebe keine friedliche Nutzung der Atomenergie,
da Stoffe geschaffen würden, die es sonst in der Umgebung nicht geben
würde, weil sie hochgiftig und hochradioaktiv seien. In Gorleben habe
sich deshalb eine bäuerliche Notgemeinschaft gegründet, um zu
dokumentieren, dass man bodenständig sei und den eigenen Grund und
Boden verteidigen wolle.
"Stress,
der den Pulsschlag in die Höhe treibt, ist immer dann angesagt, wenn
ein Castor kommt", sagte er und berichtete von zum Teil blutigen Demonstrationen.
Der Atomindustrie warf er vor, immer wieder zu versuchen, "Strahlenbelastungen
und ähnliche Dinge unter den Teppich zu kehren, um die Bevölkerung
in Sicherheit zu wiegen". Die Bürgerinitiativen in Gorleben würden
auch weiterhin den Finger in die Wunde legen, denn wer kämpft, könne
verlieren, wer nicht kämpft, habe schon verloren.
Landvolkvorsitzender
Hinrich Brader betonte, schon unter der Regierung Helmut Kohl habe eine
Expertenkommission festgestellt, dass Atommüll langfristig nicht sicher
aufbewahrt werden könne. Der Landvolkverein habe beim Bundesamt für
Strahlenschutz angefragt, ob im Rahmen des Genehmigungsverfahrens eine
Umweltverträglichkeitsprüfung vorgesehen sei. Die werde es nicht
geben, habe er inzwischen erfahren. "Hähnchenmastställe werden
also als wesentlich problematischer angesehen", so der Vorsitzende.
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