| Rodenkirchen.
Durch den beschlossenen Bau des Tiefwasserhafens in Wilhelmshaven werde
die Wesermarsch von einer Agrar- und Zuguckecke ins Herz einer großen
Investition rücken. "Und Rodenkirchen liegt genau in der Mitte davon",
sagte der Präsident des Senats der Freien Hansestadt Bremen, Dr. Henning
Scherf (SPD) während der Maikundgebung des DGB-Ortskartells Stadland.
Die
Wesermarsch werde in den nächsten zehn bis 20 Jahren ganz neu aufgestellt,
denn das Geld werde dann nicht nur an der Wasserkante verdient, sondern
die Wesermarsch sei Teil einer logistischen Kette. Durch das Projekt in
Wilhelmshaven werde zum ersten Male eine gemeinsame Hafenpolitik betrieben.
"Wir sind dann keine Konkurrenten mehr," sagte der Bremer Regierungschef.
Unter dem Namen Deutsche Bucht AG könnten alle Häfen ihren Kunden
gleiche Preise und gleiche Bedingungen anbieten. Die Küste sei dann
der einzige Mitbewerber zum Rotterdamer Hafen, der sich bereits in der
Hand der Hongkong-Chinesen befinde.
Schlickproblem
lösen
Im
Zusammenhang mit dem Tiefwasserhafen müsse natürlich die Schlickproblematik
im Fedderwardersiel gelöst werden, rief Dr. Henning Scherf dem anwesenden
Landrat Udo Zempel zu. Dies gelinge, wenn alle an einem Strang ziehen würden,
gab es sich optimistisch.
Im
Mittelpunkt seiner Rede hatte er Arbeit und Arbeitslosigkeit gestellt,
wobei er die von Bundeskanzler Gerhard Schröder in Gang gesetzte Faulheit-Debatte
kritisierte: "Wir müssen Arbeitslosigkeit bekämpfen, nicht aber
Arbeitslose." Wer für die Breite der Leute Arbeit haben möchte,
müsse engagiert Partei ergreifen für Wirtschaftswachstum. Die
Bedingungen für Investitionen müssten geschaffen werden, wobei
auch die Steuerpolitik eine wichtige Voraussetzung dafür sei. Diese
erscheinen Gewerkschaftern vielleicht ungerecht, aber wenn die Bundesregierung
im vergangenen Jahr nicht gehandelt hätte, "dann hätten wir jetzt
schon eine Krise". Auch eine gesicherte und verlässliche tarifpolitische
Strukturen seien auf dem Weg zu mehr Arbeit erforderlich.
Qualifikation
Arbeitslosigkeit
hänge aber auch mit Qualifikation zusammen. Ein großer Teil
der jugendlichen Arbeitslosen sei ohne Schulabschluss beziehungsweise habe
eine Lehre abgebrochen. Aus diesem Grunde müsse es nicht nur bessere
Schulen geben, auch die berufliche Qualifizierung und Weiterbildung müsse
ausgebaut werden. Aber auch die Jugendlichen selbst seien gefordert, sie
müssten sich auf den Hosenboden setzen und lernen, denn schon in den
nächsten Jahren werde es einen Mangel an Arbeitsplätze in vielen
wichtigen Bereichen geben. "Die schlauen, pfiffigen, verlässlichen
und intelligenten Köpfe sind unsere einzige Standort-Ressource", so
Dr. Henning Scherf.
Als
glücklichen Umstand bezeichnete er, dass durch die Green-Card-Diskussion
die Zuwanderung ausländischer Arbeitnehmer versachlicht worden sei.
Selbst die Christdemokraten hätten inzwischen gemerkt, Deutschland
werde verlieren, wenn die Türen zugehalten würden. Zwar säßen
die Vorurteile zum Teil noch sehr tief, wer diese nicht bewältigt,
werde verlieren, weil diese nicht zukunftsfähig seien. Seine Hoffnung
von friedlicher Gesellschaft laute Integration statt Diskriminierung. "Wenn
wir das gelernt haben, sind wir in Europa angekommen", sagte Dr. Henning
Scherf.
In
seiner Begrüßung hatte sich der 1. Vorsitzende des Stadlander
Ortskartells, Rolf Heidenreich, insbesondere mit der Novellierung des Betriebsverfassungsgesetzes
beschäftigt. Betriebs- und Personalräte seien weder Bremser noch
Blockierer bei betrieblichen Entscheidungen. Wer das behaupte, sage wider
besseres Wissen die Unwahrheit, denn dort, wo Mitbestimmung installiert
sei, funktioniere sie auch nach dem Bekunden der Arbeitgeber reibungs-
und problemlos. Sie sei ein unverzichtbares Mittel für die demokratische
Teilhabe der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, denn es gehe um die Teilhabe
an der Gestaltung des wirtschaftlichen Wandels sowie um Eigenverantwortung
und Solidarität. Eine demokratisch strukturierte Mitbestimmung in
der Wirtschaft, in der Politik und auch in der Familie mache aus Betroffenen
Beteiligte. Dadurch werde Mitbestimmung zu einer Kraft, die das demokratische
Gemeinwesen stabilisiere und gegen Angriffe schütze. ums |