Stadland zur Rücknahme
der Beschlüsse aufgefordert
Referenten bei KKU-Mitarbeiterversammlung plädieren für den Bau eines Zwischenlagers
Rodenkirchen. Die Mitarbeiter des Kernkraftwerkes Unterweser können mit dem Atomkonsens leben, sagte der Betriebsratsvorsitzende Klaus Dieter Raschke. Dazu gehöre aber das geplante Zwischenlager. Nicht nur er, sondern auch andere Redner forderten die Gemeinde auf, dieses Lager für abgebrannte Brennelemente nicht länger zu verhindern.

Rund 250 Beschäftigte des Werkes und des Sicherheitsdienstes informierten sich gestern bei Gewerkschaften und Politik über deren Ansichten. "Wir hatten den Eindruck, dass etwas geschehen müsse, um den anderen nicht das Feld zu überlassen", sagte Klaus Dieter Raschke. In der Diskussion um das Zwischenlager habe er lange nicht mehr so viele Feindschaften gegen die KKU-Beschäftigten erlebt. Die CDU-Gemeinderatsfraktion sei ein Interessenbündnis mit der Bürgerinitiative Aktion Z eingegangen und werde die Geister, die sie gerufen habe, nun nicht mehr los. Die Aktion Z habe Mitarbeiter mit Nationalsozialisten verglichen. Raschke: "Ich habe so etwas noch nicht erlebt."
Wolfgang Tröger, Betriebsratsvorsitzender des Sicherheitsdienstes Securitas betonte, die Kommunalpolitik habe sich ein Armutszeugnis ausgestellt, weil sie sich hinter Verwaltungsvorschriften verschanzt habe. Lediglich Udo Zempel und Hermann König hätten sich für die Mitarbeiter eingesetzt. Und diese hätten großes Interesse, dass die Anlage optimal laufe, doch die Gegner würden mit ihrer Verstopfungspolitik den Betrieb gefährden.
Der Bau von Zwischenlagern sei logisch und absolut sinnvoll, erklärte der Geschäftsführer der Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr, Ingo Logemann. Alle Beschäftigten hätten ein Anrecht auf diesen Bau, denn sie bräuchten glaubwürdige Perspektiven.
Der SPD-Bundestagsabgeordnete Holger Ortel betonte, er habe das Thema Ausstieg aus der Kernenergie immer mit der Frage der Arbeitsplätze verknüpft. Er forderte den Gemeinderat auf, den Weg für ein Zwischenlager frei zu machen. Wenn auf Zeit gespielt werde, koste das Arbeitsplätze, was sich die Wesermarsch nicht leisten könne.
Zwang auf Unternehmen
Der CDU-Fraktionsvorsitzende im Kreistag, Björn Thümler, der die Bundestagsabgeordnete Eva-Maria Kohrs vertrat, bekannte sich zur Kernenergie. Zwischenlager lehne er aber ab, weil diese durch Zwang auf die Energieversorgungsunternehmen durchgesetzt werden seien und zudem das Problem des Atommülls erneut auf kommende Generationen hinausgeschoben werde. Schon in den vergangenen 30 Jahren habe die Politik nicht den Mut gehabt, Entscheidungen zu treffen. Statt heute der Straße nachzugeben, müsse die Politik Lösungen finden.
Den Atomkonsens bezeichnete Branko Rakidzija vom Bundesfachbereich Ver- und Entsorgung der Gewerkschaft ver.di als Möglichkeit einer Versachlichung des Themas. Kraftwerksbeschäftigte könnten die einseitigen Schuldzuweisungen nicht länger ertragen.
Der Landtagsabgeordnete Joachim Wiesensee bezeichnete den Atomkonsens als faulen Kompromiss. Es sei nicht einzusehen, dass an jedem Standort Zwischenlager gebaut werden müsste, zumal es ausreichend Lagerplatz in Gorleben gebe. Sein Landtagskollege Hans-Joachim Beckmann von der SPD hob hervor, die Politik brauche Luft bis 2012 um Alternativen zu entwickeln. Deshalb seien die Zwischenlager notwendig, die zudem die Unsicherheit bei der Frage der nach den Arbeitsplätzen nehmen würden.
Bürgermeister Boris Schierhold kritisierte, dass ein Endlager zwar technisch machbar, politisch aber nicht durchgesetzt werde. Mit ihren Beschlüsse wollen die Gemeinde Stadland als Energiestandort sichern. Durch standortnahe Zwischenlager würden zudem die jetzigen chaotischen Verhältnisse bei den Transporten nicht gelöst, sondern um 40 Jahre verschoben.
Landrat Udo Zempel hob hervor, niemand sei über Zwischenlager begeistert, doch sie seien die einzige Alternative, um Arbeitsplätze im KKU zu erhalten. Nicht nur Arbeitsplätze und die Lebensplanung der Beschäftigten würden davon abhängen, das KKU sei auch ein gewichtiger wirtschaftlicher Faktor in der Region. Zempel: "Wir haben zu viele Schlaumeier, aber zu wenige Fachleute."
Erich Steiner, Technischer Geschäftsführer bei der e.on, hob hervor, die Energieversorgungsunternehmen stünden hinter der Vereinbarung, einen faulen Kompromiss hätte sie nie unterschrieben. Die Vereinbarung sichere den ungestörten Betrieb der Anlagen. Ohne Konsens wäre die Verstopfung längst eingetreten. Es wäre zu wünschen, wenn die Gemeinde ihre rechtswidrige Veränderungssperre aufhebe.  ums

Kreiszeitung Wesermarsch, 07. Juni 2001