Umweltinstitut prüft für Stadland
Verwaltung hat einen Fragenkatalog zum
geplanten Zwischenlager erstellt – Erste Fassung
soll Ende März vorliegen
Rodenkirchen. Die Gemeinde Stadland hat das Umweltinstitut München mit der Erarbeitung einer Stellungnahme über das geplante Zwischenlager für abgebrannte Brennelemente beauftragt. Ende März soll aus München bereits der Rohentwurf vorgelegt werden.

Dieses Umweltinstitut war bereits gutachterlich tätig beim Versuchsreaktor in München und hat auch eine Bewertung zum geplanten Zwischenlager am Atomkraftwerksstandort Philippsburg vorgenommen.
Die vom Umweltinstitut anzufertigende Stellungnahme bezieht sich im Rahmen der Umweltverträglichkeitsprüfung auf umweltrechtliche und verfahrensrechtliche Vorgänge, die sich aus dem Antrag auf Bau des Zwischenlagers ergeben. Neben einer kritischen Auseinandersetzung mit den Unterlagen zur Umweltverträglichkeitsprüfung und dem Sicherheitsbericht der e.on-Kernkraft GmbH sieht die Gemeinde die Aufgabe des Umweltinstituts darin, eine Stellungnahme zu erarbeiten, in der alle Themen eingearbeitet werden, "die aus Gründen der Gefahrenvorsorge erforderlich sind".
Wie Bürgermeister Boris Schierhold auf Anfrage der Kreiszeitung Wesermarsch mitteilte, habe das Umweltinstitut einen umfangreichen Fragenkatalog zugeschickt bekommen. Dabei handle es sich im wesentlichen um Fragen, die die Bürgerinnen und Bürger während der öffentlichen Gemeinderatssitzung am 1. Februar und 1. März gestellt hätten beziehungsweise um Fragen, die sich aus den öffentlichen Veranstaltungen des Ortslandvolkvereins Rodenkirchen/Golzwarden/Kleinensiel und der Aktion Z ergeben hätten.
Behälter-Sicherheit
So soll nachgefragt werden nach der Sicherheit der Castor-Behälter im Hinblick auf Hitze- und Materialbeständigkeit, wobei auch auf die für den Typ V/19 fehlenden Fallversuche und Hitzetest hingewiesen werden soll. Ein Thema sind auch die Schwierigkeiten einer ordnungsgemäßen Beladung unter anderem durch Wassereinschluss, der zur Korrosion der Behälter führen könnte. Geklärt werden soll auch die Frage, wie Schäden an den Castoren behoben werden sollen, insbesondere auch für die Zeit, wenn das Kernkraftwerk Unterweser seinen Betrieb eingestellt hat.
Die Freisetzung von Strahlung aus dem Gebäude über die vorgesehenen Lüftungsschlitze und deren Überwachung in der näheren Umgebung durch unabhängige Prüfeinrichtungen und die dauerhafte Gewährleistung der Wärmeabfuhr auch in Schadensfällen sind weitere Fragen. Stadland möchte auch bewerten haben, ob eine mögliche Folgenutzung des Betriebsgeländes nach Stilllegung des Kernkraftwerkes durch eine vom Zwischenlager ausgehende Strahlung beeinträchtigt wird, fragt zudem nach dem vorbeugenden Brandschutz und der Sicherheit des Gebäudes gegen Einwirkungen von außen, wie zum Beispiel Flugzeugabstürze oder Explosionen. Ein weiterer Aspekt ist die Hallenkapazität, die nach Angaben von Kritikern viel zu groß ausgelegt ist.
Wissen möchte die Gemeinde auch, wer Betreiber für das Zwischenlager wird und welche Qualifikationen dieser vorweisen muss. Auch fragt sie nach Garantien, dass die Lagerdauer 40 Jahre nicht überschreitet. Geklärt habe möchte sie schließlich, ob eine Rückbauverpflichtung auferlegt und wie diese abgesichert wird sowie ob es eine ausreichende Deckungsvorsorge für Haftpflichtschäden insbesondere zur Absicherung der landwirtschaftlichen Existenzen gibt.  ums

Kreiszeitung Wesermarsch, 22. März 2001