| Rodenkirchen.
Ein großes Aufgebot an Polizeikräften begleitete am Donnerstag
die Gemeinderatssitzung in der Rodenkircher Markthalle. Am Eingang mussten
sich die rund 600 Besucher sogar einer Leibesvisitation unterziehen.
Der
Grund: Wenige Stunden vor Beginn der Ratssizung hatte ein anonymer Anrufer
per Telefon eine Morddrohung gegen ein Ratsmitglied, von dem bekannt war,
dass er den CDU-Antrag auf Erlass einer Veränderungssperre und Aufstellung
eines Bebauungsplanes für das Kernkraftwerksgelände zustimmen
würde, ausgesprochen. Der Anrufer hatte mitgeteilt, dem Ratsmitglied
"eine Kugel durch den Kopf zu jagen", wenn er in der Markthalle auftreten
werde. Außerdem hatte er den Ratsherrn als Heuchler beschimpft.
Unter
der Leitung von Helmut Strowitzki waren deshalb 22 Polizeibeamte in und
vor der Rodenkircher Markthalle ständig im Einsatz. Zwei Kriminalbeamte
waren zum Schutz des bedrohten Ratsherrn, der durch eine Hintertür
die Markthalle betreten hatte, abgestellt. Weitere mischten sich unter
die rund 600 Besucher, um zu jeder Zeit einen Überblick über
das Geschehen zu haben.
Absage erwogen
Nachdem
die Morddrohung gegen das Ratsmitglied bekannt geworden war, wurde sogar
überlegt, die Gemeinderatssitzung kurzfristig abzusagen. Das Gremium
unter der Leitung des Ratsvorsitzenden Udo Zempel entschloss sich dann
aber auf Grund des großen Polizeiaufgebotes, die Sitzung abzuhalten.
In
seiner Eröffnungsansprache bat Udo Zempel um Verständnis für
die Leibesvisitationen. "Wo sind wir eigentlich angekommen, in welcher
Demokratie leben wir eigentlich?", fragte er.
Kritisch
wurde die Situation für die Polizeibeamten dann noch einmal, als etwa
eine halbe Stunde nach Beginn der Gemeinderatssitzung ein weiterer anonymer
Anruf einging. Der Unbekannte kündigte an, gegen 20 Uhr würde
auf dem Rodenkircher Marktplatz eine Bombe hochgehen.
Doch
es blieb ruhig. Auch die Befürchtung, die Befürworter und Gegner
des Zwischenlagers könnten sich nach Ende der Veranstaltung in die
Haare bekommen, trat nicht ein.
Wegen
der beiden anonymen Anrufe hat inzwischen das vierte Fachkommissariat der
Polizeiinspektion in Delmenhorst, das für politische Straftaten zuständig
ist, die Ermittlungen aufgenommen. ums |