| Kleinensiel.
Vor einem halben Jahr hatte der SPD-Bundestagsabgeordnete Holger Ortel
drei Forderungen im Zusammenhang mit der Lagerhalle für abgebrannte
Brennelemente formuliert. Nach seinem gestrigen Besuch ergänzte er
diese um zwei weitere, die, so der Betriebsratsvorsitzende Klaus-Dieter
Raschke, "durchaus nachvollziehbar sind".
Bei
seinem vorletzten Besuch hatte Holger Ortel formuliert, dass in der Halle
nur Abfälle aus dem eigenen Haus eingelagert werden dürften,
die Aufbewahrung tatsächlich befristet sei und die Wesermarsch weiterhin
Energiestandort bleiben müsse. Nunmehr ergänzte er, nach Abschalten
des Kernkraftwerkes Unterweser müsse sofort mit dem Rückbau begonnen
werden, weil dadurch für zehn Jahre 50 Prozent der Arbeitsplätze
erhalten werden könnten. Zudem verlangte er eine ständige Kontrolle
der Abluft in dem Zwischenlager durch unabhängige Gutachter. Die zurzeit
vorgesehene Auflage, lediglich die Castorbehälter zu kontrollieren,
reiche nicht aus, meinte der Bundestagsabgeordnete.
Für Rückbau
notwendig
Der
Technische Leiter des Kernkraftwerkes, Karl Ramler, betonte, das geplante
Zwischenlager sei für die Erzeugung der im Atomkonsens zugewiesenen
Reststrommenge für das KKU von entscheidender Bedeutung, denn ohne
eine Aufbewahrung der abgebrannten Brennelemente vor Ort könne diese
nicht abgefahren werden. Zudem sei das Zwischenlager eine wichtige Voraussetzung
für einen möglichen Rückbau der Anlage, denn das Brennelement-Inventar
des Werkes müsse nach dem Abschalten in das Lager verbracht werden.
"Das Material muss eingelagert werden, das Kernkraftwerk Würgassen
konnte dafür Morsleben nutzen", ergänzte Klaus-Dieter Raschke.
Unbehagen
bereitet dem Betriebsratsvorsitzenden die "Feindseligkeiten gegen eine
KKU-Mannschaft, die sich über 20 Jahre nichts habe zu Schulden kommen
lassen". Das sei nur schwer zu verdauen.
Auch
Holger Ortel erkannte, dass die Belegschaft an den Pranger gestellt werde.
Aus diesem Grunde werde es Anfang Juni ein Gespräch der politischen
Parteien mit den KKU-Beschäftigten und auch den Mitarbeitern der Fremdfirmen
geben, kündigte er an. Holger Ortel erinnerte dabei an das Kernkraftwerk
Lingen, wo die Diskussion über ein Zwischenlager sehr viel ruhiger
verlaufen sei: "Was im Emsland gelungen ist, muss auch hier möglich
sein." In der Öffentlichkeit vorhandene falsche Informationen müssten
richtig gestellt werden und die e.on als Betreiberin des Kraftwerkes müsse
eine offene Informationspolitik betreiben.
In
Stadland, so vermutete Holger Ortel, habe die Diskussion aber auch durchaus
etwas mit dem Kommunalwahltermin am 9. September zu tun.
Der
Leiter des KKU-Kommunikationszentrums, Heinz-Wilhelm Bergmann, betonte,
es sei natürlich sehr schwierig, emotionale Begründungen mit
rationalen Argumenten zu begegnen. Zurzeit werde aber ein Konzept erarbeitet,
"das hoffentlich erfolgreich sein wird". ums |
| Sie
diskutierten über das Zwischenlager. Das Foto zeigt (von links) den
Betriebsratsvorsitzenden Klaus-Dieter Raschke, den Bundestagsabgeordneten
Holger Ortel, den Technischen Leiter des Kernkraftwerkes Unterweser, Karl
Ramler, den Leiter des Kommunikationszentrums, Heinz-Wilhelm Bergmann,
und den stellvertretenden Betriebsratsvorsitzenden Fred Braue. Foto:
ums |
|