| Kleinensiel.
Russische Kernkraftwerke haben inzwischen einen Sicherheitsstandard, der
dem im Westen entspricht, das betonte gestern Peter Kraemer nach einem
zweitägigen Erfahrungsaustausch im Kleinensieler Kommunikationszentrum
mit osteuropäischen Fachleuten.
Peter
Kraemer leitet die Geschäftsstelle der Vereinigung der Grosskraftwerksbetreiber,
ein freiwilliger Zusammenschluss aller Unternehmen der Wärmeerzeugungs-
und Kraftwerkstechnik, der bereits in den zwanziger Jahren gegründet
wurde und Mitglieder in 28 Staaten hat.
Mit
der Internationalen Organisation der Kernkraftwerksbetreiber (Wano), die
ihren Sitz in Moskau hat, wurde das Seminar vorbereitet. 20 Experten aus
Tschechien, der SloWakei, Litauen, Ungarn der Ukraine, Russlands und Bulgariens
trafen sich im Kommunikationszentrum mit ihren deutschen Fachkollegen,
um ihre Erfahrungen auszutauschen, wie die ingenieurtechnischen Bereiche
in Kernkraftwerken ihren Beitrag leisten, um einen sicheren und zuverlässigen
Betrieb zu gewährleisten.
Russland
hat nach Angaben von Peter Kraemer inzwischen ein Programm aufgelegt, das
in den nächsten zehn Jahren die Inbetriebnahme von einem Kernkraftwerksblock
jährlich vorsehe. Ältere Anlagen, deren Betriebsdauer von 30
Jahren abläuft, sollen durch umfangreiche Nachrüstmaßnahmen
noch zehn bis 15 Jahre laufen. Dazu gehört auch die in der Wesermarsch-Partnerstadt
Woronesch.
Dabei
komme modernste Technologie zum Einsatz, denn die Russen wüssten inzwischen
längst, dass die Welt und die Fachleute auf sie schauen. Ohnehin seien
in den osteuropäischen Kernkraftwerken inzwischen die internationalen
Erfahrungen der Branche ausgewertet worden und würden beim Kraftwerksbetrieb
und bei Nachrüstmaßnahmen zum Einsatz kommen. "Das über
die verschiedenen Unterstützungsmaßnahmen des Westens übergebene
Know-how trägt Früchte", so Peter Kraemer.
Ein
Thema des Seminars war auch die Vereinbarung der Bundesregierung und den
Kernkraftwerksbetreibern zum Atomausstieg. Bei einem Gang durch das Kernkraftwerk
Unterweser sei die Delegation sehr angetan gewesen von der Anlage und habe
mit dem Hinweis auf den hohen Sicherheitsstandard ihr Unverständnis
ausgedrückt, dass das Kraftwerk im Jahre 2012 außer Betrieb
genommen werden soll. "Wir haben unseren Gästen den Atomausstieg nicht
vermitteln können," stellte Peter Kraemer fest. Bei ihnen sei der
Eindruck entstanden, der reiche Westen erlaube es sich, solche wertvollen
Güter zu vernichten.
Gemeinsamkeiten
Ansonsten
waren sich die Fachleute einig, dass es unabhängig von den unterschiedlichen
Kraftwerkskonzepten viele Gemeinsamkeiten bei der Lösung von technischen
Fragen gebe. Dieses betreffe zum Beispiel das Herangehen bei der Vorbereitung
von Nachrüstmaßnahmen, die Erstellung von Dokumentationsunterlagen
für den Betrieb, Qualitätssicherungsmaßnahmen, die Auswertung
von nationalen und internationalen Kraftwerksereignissen sowie die daraus
resultierende Ableitung von Verbesserungsmaßnahmen. Am Rande wurde
auch die Gelegenheit genutzt, persönliche Kontakte zu knüpfen,
um auch nach dem Seminar in Kontakt zu bleiben. ums |