"Widerstand wird zur Pflicht"
Arbeitskreis Wesermarsch lehnt
genehmigte Atommülltransporte ab
Kleinensiel. Der Arbeitskreis Wesermarsch lehnt "mit aller Entschiedenheit" die beantragten Transporte von abgebrannten Brennelementen aus dem Kernkraftwerk Unterweser (KKU) in Kleinensiel zur Wiederaufarbeitungsanlage nach Sellafield ab.

Der Zusammenschluss von zurzeit 35 Bürgerinitiativen und 30 Einzelpersonen aus dem Raum Wesermarsch, Oldenburg, Bremerhaven, Bremen und Wilhelmshaven, der sich seit 1980 für Alternativen zum Kernkraftwerk Unterweser einsetzt, hat das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) in Salzgitter aufgefordert, die am 23. Mai verfügte Genehmigung zu widerrufen. Sollte dies nicht geschehen, "wird gewaltfreier Widerstand zur Pflicht".
Zwei Fuhren
Die Behörde hatte dem Atomkraftwerk erlaubt, maximal zwei Transporte mit abgebrannten Brennelementen zur britischen Wiederaufarbeitungsanlage nach Sellafield zu transportieren. Bis zum 31. Oktober dieses Jahres müssen diese aus Unterweser vorgenommen werden. Neben Kleinensiel hatten auch weitere Kernkraftwerke Genehmigungen für Transporte mit abgebrannten Brennelementen erhalten. Aus dem Block B in Biblis wurden maximal sieben Transporte erlaubt, die nach La Hague gehen. Ebenfalls nach Frankreich dürfen maximal fünf Fuhren aus dem Kernkraftwerk Brunsbüttel und zehn aus Mühlheim-Kärlich gebracht werden. Insgesamt wurden für dieses Jahr noch 24 weitere Transporte abgebrannter Brennelemente positiv beschieden.
Der Arbeitskreis Wesermarsch weist darauf hin, dass das Abklingbecken und das Kompaktlager im Kleinensieler Kernkraftwerk Unterweser frühestens 2004 mit Brennelementen gefüllt sei. Da die Entsorgung nach dem Atomgesetz schadlos vorzunehmen sei, bedeuteten die Transporte in diesem Jahr ein "gemeingefährliches Unterfangen".
Die genehmigten Transportbehälter seien bereits in den achtziger und neunziger Jahren durch "weltmeisterliche Überschreitung der Grenzwerte" aufgefallen. Insbesondere sei durch Handhabungsfehler auffällige radioaktive Restfeuchtigkeit bei der Beladung entstanden. Durch Werkstofffehler entstünden Korrisionen und Undichtigkeiten an den Behältern, heißt es in der Stellungnahme der Arbeitskreises weiter.
Studie
Dieser macht auch auf eine dem Bundesamt für Strahlenschutz vorliegende Studie des Ökoinstituts Darmstadt aufmerksam, wonach die gemessenen Strahlenwerte in der Nähe der britischen Wiederaufbereitungsanlage um das über 20-fache der in Deutschland erlaubten Grenzwerte liege. Der Arbeitskreis Wesermarsch sehe hier wie der Vizepräsident der Strahlenschutzkommission, Professor Dr. Wolfgang Köhnlein, unzumutbare Gesundheitsgefahren für die Anwohner der Wiederaufbereitungsanlage und "fordert das BfS auf, diese illegalen Atommülltransporte nicht zuzulassen, denn eine Entsorgung über diesen Weg sei kriminell und nicht schadlos möglich.  ums

Kreiszeitung Wesermarsch, 06. Juni 2001