| Am
Mittwoch, 18. April, bin ich im Nachrichtenjournal des Offenen Kanals Wesermündung
(OKW) ebenso wie der örtliche SPD-Bundestagsabgeordnete Holger Ortel
und die Pressesprecherin der e.on-Kernenergie GmbH, Dr. Petra Uhlmann,
zum geplanten Zwischenlager für abgebrannte Uranbrennstäbe
auf dem Gelände des Kernkraftwerkes Unterweser (KKU) in Kleinensiel
interviewt worden. Das Telefongespräch mit mir, das live über
den Sender ging, drucke ich im Wortlaut ab.
Dettmer
Neels (OKW): 5 nach 12, das Nachrichtenjournal auf Radio OKW. Und eine
unserer Rubriken heißt ja, Günter, nachgefragt...
Günter
Hespos (OKW): ...bei der Heimatzeitung!
Detmar
Neels (OKW): Und dazu haben wir jetzt am Telefon Uwe Stratmann, Redakteur
bei der Kreiszeitung Wesermarsch: Hallo und herzlich willkommen.
Uwe
Stratmann: Ja, hallo!
Detmar
Neels: Herr Stratmann, das Thema ist ja wirklich in aller Munde, wir
haben ja vorhin schon unseren Bundestagsabgeordneten Holger Ortel am
Telefon zum Thema Zwischenlager gehabt. Das ist für uns der Aufhänger,
noch einmal über das Zwischenlager zu reden. Was heißt denn
überhaupt Zwischenlager für jemanden, der, ja, noch ein bisschen
fremd in der Materie ist? Was heißt Zwischenlager beim Kernkraftwerk
Unterweser?
Uwe
Stratmann: Ein Aspekt des am 14. Juni 2000 zwischen der Bundesregierung
und den Energieerzeugungsunternehmen vereinbarten Atomkonsenses zum Ausstieg
aus der Kernenergie ist die Minimierung von Atommülltransporten, die
ja, das haben wir ja gerade erst wieder in Gorleben erlebt, kaum noch möglich
sind beziehungsweise nur noch mit hohen finanziellen Kraftakten durchgeführt
werden können. Ab 2005 wird es nach der Vereinbarung keine Atommülltransporte
mehr geben. Stattdessen werden abgebrannte Brennelemente in Castor-Behältern
vor Ort, also auch in Unterweser, in Zwischenlagern aufbewahrt. Und zwar
längstens soll das für 40 Jahre geschehen. Für das KKU,
das bis 2012 am Netz sein darf, bedeutet das, dass das Lager bis 2052 betrieben
werden muss. Das sind die Hintergründe.
Detmar
Neels (OKW): Das heißt, das Zwischenlager ist, wenn man so mit
40 Jahren rechnet, ja schon fast ein halbes Endlager. Ich glaube, da sind
die Befürchtungen der Gegner schon einmal angesprochen. Es gibt ja
verschiedene Gruppen, die Befürworter und Gegner. Kann man da
einmal Einteilungen treffen?
Uwe
Stratmann: Ja, das ist zweifellos richtig.
Auf
der einen Seite steht natürlich die Aktion Z, eine Bürgerinitiative,
die gegen das Zwischenlager kämpft. Es ist zwar vorgesehen, dass innerhalb
der nächsten 30 Jahre in der Bundesrepublik ein Endlager für
diesen hochradioaktiven Müll gefunden und betriebsbereit ist, aber
weil die Suche danach in den vergangenen drei Jahrzehnten erfolglos war,
befürchtet sie, dass aus dem Zwischenlager tatsächlich ein Endlager
wird. Und mit ihr ein großer Teil der Bevölkerung, denn im Rahmen
des atomrechtlichen Genehmigungsverfahrens sind über 17500 Einwendungen
gegen das Zwischenlager beim Bundesamt für Strahlenschutz eingegangen.
Eine Zahl, die für die Wesermarsch ganz bemerkenswert ist.
Auf
der anderen Seite stehen natürlich die rund 600 Beschäftigten
im Kernkraftwerk Unterweser, die um ihre Arbeitsplätze fürchten.
Hinzu kommen noch einige tausend von Zuliefererfirmen. Denn wenn das Zwischenlager
nicht gebaut werden kann, ist das Abklingbecken im Kernkraftwerk Unterweser
etwa im Jahre 2004 voll, so dass dann dort die Lichter ausgehen müssen.
Die Befürworter argumentieren auch mit dem Hinweis, dass das Zwischenlager
vorhanden sein müsse, um nach dem Abschalten der Anlage, also etwa
ab 2012, die vorhandenen Brennelemente entsorgen zu können.
Detmar
Neels (OKW): Und jetzt gibt es ein so genanntes Gutachten, obwohl es
ja kein unabhängiges Gutachten geben kann, weil ein Gutachten ja immer
irgendwie parteiisch ist. Und da haben sich an der Finanzierung dieser
ganzen Gutachtergeschichte die Kommunen beteiligt. Nordenham hat sogar
auch dazu beigetragen. Was steht denn in diesem Gutachten, was kann man
mit einem solchen Gutachten überhaupt, ja, was kann man damit anfangen?
Uwe
Stratmann: Erst einmal muss man feststellen, dass die Gemeinde Stadland
natürlich auf Gutachter angewiesen ist, da sie selbst gar nicht in
der Lage ist, in diesem komplizierten Verfahren ihre Ansprüche zu
formulieren...
Detmar
Neels (OKW): Das hatte eben im Telefonat unser Holger Ortel auch klargestellt,
dass er also nicht der Fachmann ist, um zu sagen, soundso ist es jetzt.
Dazu braucht man tatsächlich die Gutachter?
Uwe
Stratmann: Richtig. Die Gemeinde Stadland hat ja gesagt, dass sie das
Zwischenlager nicht haben möchte. Deshalb hat sie mit dem Umweltinstitut
München einen Gutachter beauftragt, der in etwa ihren Vorstellungen
entspricht. Aus diesem Grunde stimmt auch ihre Aussage, dass ein Gutachten
nicht unabhängig sein kann.
Günter
Hespos (OKW): Herr Stratmann, im Rahmen des Atomkonsenses gibt es ja
die Möglichkeit, Kapazitäten von anderen Kernkraftwerken beispielsweise
auch nach Kleinensiel zu verlagern, so dass die Laufzeit möglicherweise
länger als bis 2012 sein wird. Ich denke da an das Kernkraftwerk Stade,
das vorzeitig abgeschaltet wird, so dass die Restlaufzeit eventuell auf
das Kernkraftwerk Unterweser übertragen wird. Hat das möglicherweise
Auswirkungen auf die Größe des Zwischenlagers, auf die Anzahl
der Castoren, die dort gelagert werden sollen?
Uwe
Stratmann: Vereinbart und vorgesehen ist ja, dass das Kernkraftwerk Unterweser
bis 2012 laufen soll. Wenn es nun aber Restlaufzeiten von anderen Kernkraftwerken
übernimmt, dann ist es natürlich selbstverständlich, dass
es länger produzieren kann. Entsprechend groß hat dann auch
die e.on-Kernkraft GmbH das Zwischenlager ausgewiesen.
Günter
Hespos: Ja, Herr Stratmann, das wars, glaube ich, zunächst einmal
zu diesem Thema. Wir bedanken uns sehr herzlich für dieses Gespräch.
Und bis zum nächsten Mal, wenn es dann wieder heißt: "Nachgefragt
bei der Heimatzeitung".
Uwe
Stratmann: Okay und tschüß! |