Im Revolutionsjahr 1848
Schule gegründet
Unterricht beginnt 1851 im alten 
Rodenkircher Pfarrgebäude – Realschule feiert heute
Rodenkirchen. Im Revolutionsjahr 1848 wurde durch eine Stiftung der Kirche in der Gemeinde Rodenkirchen eine der ersten Höheren Volksschulen gegründet, von deren es danach im Oldenburger Lande noch mehrere gab.

Die Schule, deren Einzugsgebiet sich auf Rodenkirchen, Esenshamm, Schwei und Frieschenmoor erstreckte, wurde später in Höhere Bürgerschule umbenannt und 1930 als Mittelschule mit dem Abschluss der mittleren Reife ausgebaut.
Die Schule richtete sich 1851 im alten Pfarrgebäude nordwestlich der Kirche ein, heute steht dort ein Vier-Familienhaus. Im Mai 1951 begann der Unterricht. Am 3. September 1912 konnte ein neues Gebäude eingeweiht werden. Darin ist die Realschule auch heute noch untergebracht. 1930 wurde die Bürgerschule in Mittelschule umbenannt.
"Schule ohne Wert"
Während der nationalsozialistischen Epoche wurde die Schule 1934 geschlossen, angeblich weil sie zu teuer sei und keinen kulturellen Wert habe. Nach dem Zusammenbruch 1945 begann Dr. Illner mit Unterstützung durch Pastor Siegfried Bock und Bürgermeister Henning Tantzen den Schulbetrieb in Rodenkirchen wieder aufzunehmen. Bis 1952 wurden an der Volksschule sogenannte Aufbauzüge geführt. Die Schüler, die in diesen Zügen unterrichtet wurden, erhielten in Deutsch, Rechnen und Englisch gesondert Unterricht. Nach dem Wegzug von Dr. Illner, der nach Brasilien auswanderte und 1955 nach Wolfenbüttel zurückkehrte, wurden diese Aufbauzüge von dem Nachfolger, Rektor Kriegel, der aus Magdeburg stammte und in Ostpreußen Schulrat gewesen war, gefördert. Im Jahre 1952 wurden die Aufbauzüge in einer selbständigen Mittelschule zusammengefasst. Es handelte sich um fünf Klassen. Die Leitung der Mittelschule Rodenkirchen wurde Rektor Heinrich Meyer übertragen, der bis dahin die Volksschule in Hude geleitet hatte. Er übernahm die Schule am 1. April 1952.
Klassenraum in Markthalle
Da die Schule über kein eigenes Schulgebäude verfügte wurden die Schüler in der so genannten Küsterei und einem Nebengebäude untergebracht. Eine Klasse wurde im Konfirmandenzimmer der Pastorei unterrichtet. 1953 kam ein Klassenraum in einer Markthalle hinzu. In der benachbarten Markthalle befand sich eine provisorische Turnhalle, alle anderen Nebenräume, einschließlich Lehrerzimmer fehlten.
Provisorium bis 1956
Trotz der mangelhaften Räumlichkeiten hatten die Schüler einen guten Start, was in erster Linie der idealistischen Auffassung des Lehrerkollegiums zu verdanken war. Dieser provisorische Zustand währte bis 1956, nachdem das neue Volksschulgebäude fertiggestellt worden und die Mittelschule, das ursprüngliche Bürgerschulgebäude, in der Schulstraße beziehen konnte. Inzwischen hatte 1954 die erste Kommissionsprüfung stattgefunden, die von Oberschulrat Professor Dr. Rieckhoff geleitet wurde. Außerdem nahmen der damals noch kommissarische Schulrat Fritz Schild und das Lehrerkollegium an der Prüfung teil. Obwohl sich Herr Professor Rieckhoff damals nach Ansicht der Lehrer wenig kollegial verhielt, weil er nicht die Schüler, 13 an der Zahl, prüfte, sondern die Lehrer, erhielt die Schule damals ihre staatliche Anerkennung. Es wurde allerdings der Gemeinde die Auflage erteilt, möglichst bald für die geeigneten Klassenräume und die benötigten Nebenräume zu sorgen.
Notstand behoben
Mit dem Einzug in das eigene Schulhaus war zwar der größte Notstand behoben, doch es zeigte sich bald, dass die Nebenräume und die sanitären Einrichtungen nicht ausreichten. So wurde der Gedanke einer Schulerweiterung gefasst, der sowohl eine große als auch eine kleine Lösung vorsah. Große Lösung bedeutete, die Schule auf Grund der stetig steigenden Schülerzahlen zweizügig zu führen, kleine Lösung hingegen hieß, einzügig zu bleiben, aber die fehlenden Nebenräume zu schaffen. Die Eltern und die Rodenkircher Gemeindevertretung standen diesen Plänen wohlwollend gegenüber. Besonders aktiv zeigte sich in dieser vorbereitenden Phase der Elternratsvorsitzende Wilhelm Rose aus Brake, dem damals die Gründung eines Schulvereins vorschwebte, da auch in diesem Falle alles am Geld hing und die Finanzen der Gemeinde eine Schulerweiterung nicht gestatteten.
Mit der Erweiterung des Schulgebäudes wurde es zunächst nichts, und auch der Schulverein blieb ein Gedanke, der nicht verwirklicht wurde. Die große Schwierigkeit blieb die Finanzierung. 400 000 Mark waren notwendig, wenn die kleine Lösung, für die man sich entschieden hatte, realisiert werden sollte. Die Schule sollte einzügig bleiben, weil die Gemeinde die finanzielle Belastung einer doppelzügigen Schule nicht tragen konnte. Da aber die an der Schule interessierten Gemeinden, insbesondere die Stadt Brake nicht bereit waren, an die Gemeinde Rodenkirchen zu zahlen und sich finanziell nicht am Erweiterungsbau beteiligen wollten, geschah zunächst nichts. Die Mittelschule musste weiter zusehen, wie sie in ihren beengten Räumen fertig wurde.
Kreistag stimmt zu
Im Jahre 1960, inzwischen war Udo Zempel Rektor der Schule, waren die Verhandlungen soweit gediehen, dass schließlich der Kreistag Wesermarsch seine Zustimmung gab. Am 1. August 1960 wurde mit den Gründungsarbeiten des Schulerweiterungsbaus nach Westen begonnen. Die Firma Lorentz rammte insgesamt 23 Pfähle, die mit Zement ausgegossen wurden, zum Teil bis auf 18 Meter Tiefe. Diese Gründung war erforderlich, weil sonst die Gefahr eines Abrisses zwischen Alt- und Neubau bestanden hätte. Am 15. September 1960 begann die Firma Herdejürgens aus Einswarden mit den Stahlbetonarbeiten, und am 24. Oktober 1960 konnte Bürgermeister Gerd Brörken die Grundsteinlegung vornehmen. Die vereinigten Rodenkircher Maurer arbeiteten anschließend sehr flott, und schon am 17. November 1960 konnte das Richtfest gefeiert werden. Bei strahlendem Sonnenschein wurde dieses Fest zünftig begangen. Alle Lehrer und Schüler, sowie viele Einwohner aus der Gemeinde, viele Eltern und zahlreiche offizielle Vertreter der benachbarten Gemeinden nahmen an den Feierlichkeiten teil. Der Altgeselle Enno Janßen, bei der Firma Heusmann in Strohausen tätig, fragte hoch vom First den Bürgermeister, ob er mit dem Bau zufrieden sei, was dieser bejahte. Anschließend wurde in Albrechts Saal weiter gefeiert. Es gab Gulasch und freie Getränke sowie Zigarren und Zigaretten, wie es jedem beliebte.
Arbeiten dauern länger
Die nun folgenden Arbeiten dauerten länger, weil sich während des Durchbruchs vom Alt- in den Neubau und bei genauer Überlegung hinsichtlich der Renovierung des Altbaues neue Möglichkeiten ergaben. Die Schule und der Architekt Heinrich Frey aus Brake entwickelten neue Ideen, in die auch Gemeindedirektor Heinrich Ficke mit einbezogen wurde. Sie ergaben am Ende einen Mehrbetrag von 130 000 Mark.
Unterricht am Nachmittag
Die Innenarbeiten nahmen sehr viel Zeit mehr in Anspruch als vorgesehen, so dass die Lehrkräfte die Kinder drei Wochen lang nach den Sommerferien, vom 8. bis zum 26. August 1961, nachmittags in der Volksschule unterrichten mussten. Der Unterricht dauerte von 13.30 bis 17.30 Uhr.
In jene Zeit fiel die Errichtung der Berliner Mauer am 13. August. Vorher schon war der Flüchtlingsstrom unermesslich gewachsen. Eine spontane Spendenaktion seitens der Schülerschaft ergab mehrere Zentner Bekleidungsstücke aller Art, außerdem wurden 212 Mark gespendet.
Tag der Freude
Am 26. August konnten die alte, nun aber neue Schule bezogen werden. Es war für Lehrer und Kinder ein Tag der Freude und des Dankes. Am 12. September 1961 wurde mit dem zweiten Bauabschnitt begonnen, mit der Errichtung der Pausenhalle, des Werkraumes und der sanitären Einrichtungen. Ein relativ milder Winter ließ die Arbeiten nicht lange aussetzen, so dass die Arbeiten zu Ostern 1962 geschafft waren. Kurz nach Beginn des neuen Schuljahres, am Freitag, 13. April 1962, wurde die Mittelschule Rodenkirchen offiziell eingeweiht.
Ab 1. April 1965 wurden die Mittelschulen in Niedersachsen zu Realschulen, auch die in Rodenkirchen, wo Udo Zempel die Schülerinnen und Schüler immer wieder mit der Teilung Deutschlands konfrontierte. Mit den zehnten Klassen unternahm er regelmäßig Klassenausflüge in die geteilte Stadt, ein Besuch Ost-Berlins gehörte selbstverständlich dazu. Am 20. Juni 1974 beendete Udo Zempel seine Tätigkeit an der Realschule, er wurde Landtagsabgeordneter der SPD. Nachfolger wurde Gerd Högl.
Raumnot
Und ab dem Schuljahr 1974/75 bis heute steht ein Stichwort im Mittelpunkt der schulischen Lebens: Raumnot. Dies verdeutlicht auch eine Notiz aus dem Schuljahr 1979/80: "Räumliche Ausstattung nicht mehr ausreichend, sechs Klassenräume für neun Klassen; bei der Ausstattung mit modernen Unterrichtsmitteln besteht großer Nachholbedarf." Denn schon damals hatte der Landkreis Wesermarsch, der zum 1. Januar 1976 die Trägerschaft der Schule von der Gemeinde Stadland übernommen hatte, die Devise des Sparens ausgegeben. Mängel entstanden aber auch bei der Unterrichtsversorgung, weil das Land Niedersachsen ähnlich dachte. Später gab es dann doch noch neue Ausstattungen für die Schule, unter anderem eine neue Einrichtung für den Physik- und für den Chemieraum sowie weitere Investitionen. Das ist allerdings inzwischen lange her, schon seit längerer Zeit platzt die Realschule Rodenkirchen aus allen Nähten, weil Unterrichtsräume fehlen. Und Lehrkräfte gibt es auch schon seit vielen Jahren nicht genug.
Verbot für Tintenkiller
Doch trotz dieser Schwierigkeiten musste der schulische Alltag weiter gehen. Wichtige und vielleicht auch eher unwichtige Ereignisse an der Realschule waren fortan: 1989/90 wurde durch Beschluss der Gesamtkonferenz ein Tintenkillerverbot erlassen, am 16. Januar 1991 beteiligten sich die Schülerinnen und Schüler anlässlich des Golfkrieges an einer Demonstration für Frieden durch Rodenkirchen, am 6. Mai 1992 streikten auf Grund laufender Tarifverhandlungen Hausmeister und Putzfrauen, so dass die Lehrkräfte die Reinigung der Klassenräume und Toiletten übernahmen, im März 1994 wurde das erste Aussiedlerkind aus Kasachstan, das über keine deutschen Sprachkenntnisse verfügte, aufgenommen, im November 1994 erhielt die Verwaltung der Schule den ersten Computer und im Schuljahr 1995/96 organisieren die Schülerinnen und Schüler eine Paketaktion für die vom Atomunglück in Tschernobyl betroffenen Kinder. Kurze Zeit später ging Gerd Högl nach 21-jähriger Tätigkeit als Realschulrektor in den Ruhestand. Da ein Nachfolger nicht in Sicht war, übernahm Dieter Morawietz als stellvertretenden Rektor und dienstältester Pädagoge der Schule, der schon am 1. April 1991 sein 25-jähriges Jubiläum in Rodenkirchen feiern konnte, die Leitung.
Im Schuljahr 1997/98 stellte sich schließlich Wolfgang Bleyer als neuer Rektor dem Lehrerkollegium sowie den Schülerinnen und Schülern vor. In seiner bisherigen Amtszeit wurde die Realschule Rodenkirchen unter anderem auch durch das besondere außerschulische Engagement von Lehrkräften sowie Schülerinnen und Schülern bekannt.
Was die Politik in vielen Jahren nicht geschafft hat, ist der Realschule Rodenkirchen gelungen, nämlich eine Zusage der Verantwortlichen, die Bahnstrecke zwischen Nordenham und Hude zu sanieren. Das Umweltbewusstsein der Jugendlichen wurde in den vergangenen Jahren durch die Anlegung eines Biotops auf der ehemaligen Raketenabschussbasis und durch viele weitere Umweltprojekte geschult. Bei Konzerten für Unicef sammelten die Schülerinnen und Schüler Geld für Kinder und Jugendliche in anderen Teilen der Welt.
Förderverein
Finanziell unterstützt wird die Realschule auch durch den Förderverein, den es seit 1963 gibt. Von 1963 bis 1983 war Heinz Abbenseth Vorsitzender, danach folgte bis 1988 Claus Rogge. Nachfolgerin wurde Mathilde Ehlers, die das Amt bis heute inne hat.

Schlüsselübergabe
Am 13. April 1962 übergab der damalige Rodenkircher Bürgermeister Henning Tantzen (links) den Schlüssel für den Erweiterungsbau an Rektor Udo Zempel.
Kreiszeitung Wesermarsch, 19. Mai 2001