Aktion Z feiert: 15 486 Unterschriften
Mitglieder geben Sammeleinwendungen
gegen Zwischenlager persönlich
beim Bundesamt für Strahlenschutz ab
Rodenkirchen. Auf der Motorhaube seines Fahrzeuges addiert Jürgen Janssen Zahlenkolonnen, dann rechnet er zur Sicherheit noch einmal nach und verkündet: "Wir haben 15 486 Einwendungen gegen das Zwischenlager gesammelt."

Mitglieder der Aktion Z aus Stadland sowie aus Bremerhaven und dem Landkreis Cuxhaven sind gestern morgen nach Salzgitter gefahren und haben die Einwendungslisten gegen das geplante Zwischenlager für abgebrannte Brennelemente auf dem Gelände des Kernkraftwerkes Unterweser (KKU) persönlich beim Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) abgegeben, das die atomrechtliche Genehmigungsbehörde für dieses Vorhaben ist. In Salzgitter wurde die Gruppe auch vom Präsidenten Wolfram König empfangen.
Staunen
Verabschiedet wurden sie auf dem Rodenkircher Marktplatz von weiteren Aktivisten der Bürgerinitiative. Sie alle staunten, als Jürgen Janssen die Zahl verkündete. Was Protestbewegungen angehe, sei die Wesermarsch eigentlich ein weißer Fleck, aber in diesem Falle seien von allen Kernkraftwerksstandorten die meisten Unterschriften gesammelt worden, stellte Jürgen Janssen zufrieden fest. Dieses belege eindeutig, dass die Bevölkerung große Angst vor dem Zwischenlager habe.
Nach Angaben von Jürgen Janssen haben die Mitglieder der Aktion Z insgesamt 10 703 Unterschriften zusammengetragen. 2894 waren es in Bremerhaven und im Landkreis Cuxhaven und somit 7809 in der Wesermarsch. Weitere 4673 Unterschriften, die dem Bundesamt für Strahlenschutz bereits vorliegen, hat die Umweltschutzorganisation Greenpeace beigesteuert. 110 Einwendungen seien bereits vorab zum Bundesamt für Strahlenschutz geschickt worden, so dass 15 486 Unterschriften zusammen gekommen seien. Nicht berücksichtigt haben die Aktion Z dabei die weiteren zahlreichen Gruppen- und Einzeleinwendungen. Jürgen Janssen: "Die e.on-Kernkraft hat also noch viel Arbeit vor sich."
Am 22. Februar hatte die Aktion Z auf dem Wochenmarkt in Rodenkirchen mit dem Sammeln der Einwendungen angefangen. Aktivistin Elke Mathiszig wollte sich damals nicht dazu äußern, wie viele Unterschriften bis zum Ende der Auslegungsfrist zusammenkommen könnte. 3000 erschienen ihr bereits sehr viel. Später sprach Hans-Otto-Meyer-Ott vom Arbeitskreis Wesermarsch von einer "Zielzahl 10 000". Dafür sei er heftig gescholten worden, erinnerte sich Jürgen Janssen schmunzelnd. Nun aber könne die Aktion Z stolz darauf sein, mit Greenpeace über 15 000 Einwendungen gesammelt zu haben.
Aktion Z feiert
Aus diesem Grunde wurde auch gefeiert. Gestern abend kamen die Aktivisten der Aktion Z im Wirtshaus Hahnenknooper Mühle zusammen, um gemeinsam ein Bier zu trinken. Für die musikalische Unterhaltung sorgte Anne Wylie mit irischer Folklore.
Auslegungsfrist endet
Die Auslegungsfrist der Unterlagen und damit die Möglichkeit, Einwendungen zu erheben, endet am heutigen Donnerstag, 5. April. Danach werden die vorgebrachten Einwendungen vom Bundesamt für Strahlenschutz erfasst, dokumentiert und inhaltlichen Schwerpunkten zugeordnet. Der Erörterungstermin wird nach Angaben des BfS-Präsidenten Wolfram König am 14. Juni in der Rodenkircher Markthalle beginnen – ein Tag, der durchaus symbolischen Charakter hat, denn am 14. Juni des vergangenen Jahres hatten die rot-grüne Bundesregierung und die Energieerzeugungsunternehmen den Atomkonsens zum Ausstieg aus der Nutzung der Kernenergie paraphiert. In diesem Papier ist auch der Bau der Zwischenlager an den Kraftwerksstandorten vereinbart worden, um ab dem Jahre 2005 auf Transporte mit atomarem Müll verzichten zu können.  ums

Vor der Abfahrt nach Salzgitter
Die Mitglieder der Aktion Z, Patrick Salice, Anke Krein, Hans-Otto Meyer-Ott, Jürgen Janssen, Elke Kuik-Janssen und Wolfgang Mathiszig präsentieren kurz vor Beginn der Fahrt zum Bundesamt für Strahlenschutz die gesammelten Einwendungslisten.
Kreiszeitung Wesermarsch, 05. April 2001