Zettel aus den Händen gerissen
Aktion Z sammelt seit gestern Unterschriften
Rodenkirchen. "Zum Teil sind uns die Zettel aus den Händen gerissen worden", berichtete gestern Elke Mathiszig von der Aktion Z, die auf dem Rodenkircher Wochenmarkt mit der Unterschriftensammlung gegen das geplante Zwischenlager für abgebrannte Brennelemente am KKU begonnen hat.

Über 150 Unterschriften konnte die Aktion Z gestern in zwei Stunden sammeln. "Viele Wochenmarktbesucher haben zudem Unterschriftenzettel mitgenommen, um sie im Bekannten- und Freundeskreis zu verteilen", freute sich Elke Mathiszig.
Einwendungslisten
Die Aktion Z hat Sammel-Einwendungslisten gegen den Bau des Zwischenlagers erstellt. Darin wird herausgestellt, dass das Zwischenlager das im Grundgesetz geschützte Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit durch die Erhöhung des radioaktiven Risikos gefährdet sei. Denn die Lagerhalle stelle im Normalbetrieb keinen ausreichenden Schutz gegen Radioaktivität dar und gefährde somit auch die landwirtschaftliche Nutzung der Böden in der Umgebung. Die Konstruktion und Auslegung der Halle biete bei Unfällen keinen vorsorgenden Bevölkerungsschutz, so dass nach Flugzeugabstürzen oder Sabotageakten hohe Freisetzungen radioaktiver Stoffe möglich seien.
Behälter nicht sicher
Die einzulagernden Castor-Behälter seien nicht sicher genug, heißt es in der Einwendung. Außerdem reiche die beantragte Kapazität aus, um abgebrannten Brennelemente aus weiteren 27 Betriebsjahren aufzunehmen. Somit diene das Zwischenlager dem Weiterbetrieb des Kraftwerkes. Da es weltweit kein Endlager für hochradioaktive Abfälle gebe, bestehe die Gefahr, dass aus dem Zwischenlager ein Endlager werde.
Schließlich wird in der Sammel-Einwendung hervorgehoben, die Antragstellerin e.on-Kernkraft GmbH verfüge offensichtlich nicht über die gesetzlich vorgeschriebene Zuverlässigkeit und Sicherheitskompetenz im Umgang mit radioaktiven Stoffen, wie die Häufung von meldepflichtigen Ereignissen und Störfällen im Kernkraftwerk Unterweser gezeigt habe.
Bis zum 5. April müssen Einwendungen gegen das geplante Zwischenlager beim Bundesamt für Strahlenschutz als atomrechtliche Genehmigungsbehörde eingegangen sein. In dieser Zeit liegt der Bauantrag der e.on-Kernkraft GmbH im kleinen Sitzungszimmer des Rathauses öffentlich aus. Neben den Sammellisten können auch individuelle Einwendungen eingereicht werden. Der Erörterungstermin wird nach Angaben des Bundesamtes für Strahlenschutz höchstwahrscheinlich im Juni in Rodenkirchen stattfinden.
Unterschriften sammelten die Mitglieder der Aktion Z gestern auch in der Bremerhavener Inenenstadt. Am heutigen Freitag werden sie ab 9.30 Uhr auf dem Nordenhamer Wochenmarkt vertreten sein.
Auch in Brake, Cuxhaven, Loxstedt, Oldenburg, Bremen und anderen Orten sollen Einwendungslisten ausgelegt und Unterschriften gesammelt werden.  ums

Unterschriftenstand der Aktion Z
Allein gestern sammelte die Aktion Z 150 Unterschriften auf dem Wochenmarkt in Rodenkirchen.
Kreiszeitung Wesermarsch, 23. Februar 2001